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Barcelona : Wo sind die Schuldigen?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Während Barcelona trauert, sucht die Polizei nach den Schlüsselfiguren – sind sie möglicherweise schon tot?

Drei Tage nach der Terrorattacke von Barcelona mit mehr als einem Dutzend Toten haben die Ermittler in Spanien weiter nach dem Fahrer des Anschlagswagens gefahndet. Der 22-jährige Marokkaner Younes Abouyaaqoub gilt als Hauptverdächtiger. Allerdings konnte Polizeichef Trapero gestern nicht bestätigen, dass Abouyaaqoub den Lieferwagen tatsächlich gesteuert hat. In der Basilika Sagrada Familia in Barcelona wurde mit einer Trauerfeier der Terroropfer gedacht.

Bei dem Anschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas waren am Donnerstag mindestens 13 Menschen getötet worden. Wenige Stunden später starb zudem eine Frau in der südlich gelegenen Küstenstadt Cambrils, wo offenkundig ein weiterer Anschlag vereitelt wurde. Die Frau wurde von Verdächtigen auf der Flucht überfahren.

Die Sicherheitskräfte erklärten gestern via Twitter, es gebe eine neue Spur. „Wir sind sehr nah an einer Person dran, die mit beiden Attentaten in Verbindung steht.“

Die Behörden gehen davon aus, dass die Attacken in Barcelona und Cambrils von einer islamistischen Terrorzelle mit zwölf Mitgliedern verübt wurden. Fünf mutmaßliche Terroristen wurden in Cambrils erschossen, vier festgenommen. Die Identität von drei weiteren ist geklärt. Nach ihnen werde gefahndet. Es könnte aber sein, dass zwei von ihnen bereits tot seien, da nach einer Explosion am Mittwoch in den Trümmern eines Hauses in Alcanar die Überreste von mindestens zwei Menschen gefunden worden seien. Die Beamten vermuten, dass die Gruppe dort Sprengstoff lagerte und ein oder mehrere noch größere Attentate als in Barcelona vorbereitete.

Neben dem mutmaßlichen Terror-Fahrer Abouyaaqoub richtet sich die Aufmerksamkeit der Ermittler auch auf einen Imam, bei dem es sich um den Kopf der Zelle handeln soll. Abdelbaki Es Satty verbüßte eine vierjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels und soll auch Kontakte zu den Verantwortlichen der Zuganschläge 2004 in Madrid gehabt haben. Möglicherweise kam er bei der Explosion in Alcanar ums Leben. Die Mutter des Hauptverdächtigen Abouyaaqoub appellierte an ihren Sohn, sich zu stellen: „Mir ist es lieber, er kommt ins Gefängnis, als dass er stirbt.“

Zwei Tage nach dem Attentat lagen noch 54 Terroropfer verletzt im Krankenhaus. Zwölf Patienten seien in kritischem Zustand, 25 weitere schwer verletzt. Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden 13 Deutsche verletzt, zwei davon lebensgefährlich.

Der Anschlag von Barcelona entfachte in Deutschland die Debatte um die Sicherung deutscher Großstädte vor Attacken mit Fahrzeugen neu. Der Deutsche Städtetag unterstützte die Forderung von Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU), Innenstädte durch bauliche Maßnahmen wie Poller besser zu schützen.

Theresa Münch, Klaus Blume

Kommentar: Ferienfestung angegriffen

Nach dem Schock tauchen die ersten kritischen Fragen auf. Wie war es möglich, dass eine ziemlich gut organisierte und große Terrorzelle in der Lage war, monatelang unbemerkt ihr teuflisches Werk vorzubereiten? Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass es Ermittlungspannen gab. Und dass die Koordination zwischen den katalanischen und den spanischen Sicherheitsbehörden durch den Unabhängigkeitskonflikt in Katalonien erschwert worden ist.

Unabhängig davon lehrt die Tragödie von Katalonien aber vor allem eines: Es gibt keine totale Sicherheit. Auch nicht in Spanien, das seit Jahren als friedliche Urlaubsoase galt. Vor allem diesem Ruf, eine gut bewachte Ferienfestung zu sein, hatte es das südeuropäische Land zu verdanken, dass der Tourismus zuletzt wie noch nie boomte.

Nachdem sich nun auch Spanien in den Kreis der europäischen Länder einreihen musste, die in jüngster Zeit vom Terror getroffen wurden, ist vor allem eines zu wünschen: Dass die zynische Rechnung der Terroristen, die in Ferienländern wie Spanien Angst säen wollen, nicht aufgeht.

Ralph Schulze


Zum Thema: Angreifer attackierte gezielt Frauen

Nach der Messerattacke in der finnischen Stadt Turku prüfen die Ermittler, ob der Tatverdächtige in Verbindung zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) stand. Der 18 Jahre alte Marokkaner wurde am Freitag von der Polizei angeschossen und liegt im Krankenhaus. Bei dem Angriff wurden zwei Finninnen erstochen und acht weitere Menschen verletzt. Die Polizei geht von einem terroristischen Hintergrund aus – und glaubt, dass der Attentäter gezielt Frauen attackieren wollte. Die Polizei nahm vier weitere Marokkaner fest. Gegen einen fünften Verdächtigen wurde ein internationaler Haftbefehl ausgestellt. Nach Polizeiangaben ähnelt der Fall dem anderer islamistischer Attentäter in Europa. Der Täter habe die weiblichen Opfer willkürlich ausgesucht, teilte die Polizei mit. Die Männer seien verletzt worden, als sie den Frauen zu Hilfe eilten. Die Polizeipräsenz auf öffentlichen Plätzen in Finnland wurde nach dem Anschlag hochgefahren. Zudem wurden auch die Sicherheitskontrollen an den Grenzen verstärkt.

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