„Wir werden diese verfolgten Menschen schützen“

Gerd Landsberg
Gerd Landsberg

Der Hauptgeschäftsführer des Städte-bundes über Asylanten in Deutschland

svz.de von
27. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Immer mehr Menschen beantragen in Deutschland Asyl. Viele Heime sind deshalb voll, neue Plätze nötig. In Sachsen werden bereits ehemalige Schulen genutzt. Unser Berliner Korrespondent Christoph Slangen sprach mit Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Bundespräsident Joachim Gauck fordert Offenheit für Flüchtlinge und fragt, ob wir wirklich schon alles tun, was für sie getan werden könnte. Tun die Kommunen alles?
Landsberg: Die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber in Deutschland steigt weiter vor dem Hintergrund der Krisen in Syrien und Afrika. Dieses Jahr werden über 110 000 Asylbewerber nach Deutschland gekommen sein. Das sind 68 Prozent mehr als im Vorjahr. Bund, Länder und Kommunen müssen zusätzliche Unterkünfte, beispielsweise leerstehende Kasernen und Liegenschaften der Länder, bereitstellen. Gerade die Flüchtlinge aus Syrien sind häufig verletzt und traumatisiert. Hier muss ein Gesundheitsfonds eingerichtet werden, aus dem die Kommunen die notwendige Versorgung finanzieren können.
Vor Asylbewerberheimen wird demonstriert, die NPD versucht Anwohnerängste für ihre politischen Ziele zu instrumentalisieren. Wie kann die Lage entspannt werden?
Obwohl bereits über 70 000 Asylbewerber in Deutschland dieses Jahr untergebracht wurden, hat es nur in ganz wenigen Einzelfällen Demonstrationen gegeben. Wir werden diese verfolgten Menschen schützen und feindliche Aktionen mit allen staatlichen Mitteln bekämpfen. Gleichzeitig sollte vor Ort auch mit entsprechenden Informationskampagnen für mehr Akzeptanz geworben werden. Die ganz überwiegende Mehrheit der Bevölkerung will diesen schwer verfolgten Menschen, die vor Krieg und Zerstörung flüchten, helfen.
Ist Massenunterbringung der richtige Weg oder sollte besser auf kleine Einheiten gesetzt werden?
Die Unterbringung in kleinen Einheiten ist sicher der bessere Weg. Im Hinblick auf die steigenden Flüchtlingszahlen sind allerdings auch größere Unterkünfte unverzichtbar. In vielen Städten und Gemeinden gelingen die Aufnahme und die ersten Integrationsschritte gut. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn in der Kommune schon aus früherer Zeit Menschen entsprechender Volksgruppen leben und deshalb ihren Landsleuten besonders gerne helfen. Gerade die Kinder finden in unseren Schulen schnell Akzeptanz und Aufnahme. Das setzt allerdings auch voraus, dass den Kommunen als Schulträger entsprechendes Personal zur Verfügung gestellt und finanziert wird. Viele Menschen sind auch bereit, sich als ehrenamtliche Integrationshelfer einzusetzen.

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