Donald Trump in Israel : „Wir kriegen das hin“

Demütig: US-Präsident Donald Trump berührt die Klagemauer in Jerusalem
Demütig: US-Präsident Donald Trump berührt die Klagemauer in Jerusalem

Bittzettel in Jerusalem: Donald Trump will im Nahost-Friedensprozess die Karten neu mischen

svz.de von
22. Mai 2017, 20:45 Uhr

In einer ungewohnt demütigen Geste legt US-Präsident Donald Trump seine Hand an die Klagemauer in Jerusalem und verharrt lange mit geschlossenen Augen. Auf dem Kopf trägt er eine Kippa. Dann steckt Trump einen Bittzettel in die jahrtausendealte Mauer – das höchste Heiligtum der Juden. Es sind starke Bilder und Trump als Meister der Inszenierung weiß dies genau.

Er ist der erste amtierende US-Präsident, der diesen symbolträchtigen Ort besucht. „Seine Vorgänger haben es nicht gewagt, sich in dieses Minenfeld zu begeben“, sagt ein israelischer Fernsehkommentator.

Weil die Jerusalemfrage im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern so heikel ist, will Trump sich in der Altstadt nicht von israelischen Politikern begleiten lassen. Dafür wirkt sein Empfang am Flughafen wie eine Demonstration größter Nähe zwischen den Bündnispartnern. Mit strahlenden Gesichtern legen Trump, seine Frau Melania, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dessen Frau Sara in einer Geste der Einheit ihre Hände zusammen. Sein Besuch bietet Trump die Gelegenheit, sich als ernst zu nehmender Staatsmann zu präsentieren. Lang sind die Schatten der Skandale aus der Heimat. Unter anderem hat er Russland laut „New York Times“ heikle Geheimdienstinformationen weitergereicht – aus israelischer Quelle.

Offiziell ignoriert Israel den Eklat und betont immer wieder das unverbrüchliche und einzigartige Bündnis mit den USA. Doch hinter den Kulissen rumort es, auch am milliardenschweren Waffendeal Trumps mit den Saudis wird gestern Kritik laut. Saudi-Arabien sei ein feindliches Land, heißt es aus der Regierung. Man fürchtet um die israelische Waffenhoheit, wenn Riad mit reichlich Gerät aus den USA eingedeckt wird.

Trump scheint in zentralen Nahost-Fragen auf den Kurs seines Vorgängers Barack Obama umgeschwenkt zu sein. Auch er forderte von Israel Zurückhaltung beim Siedlungsbau.

Trump ist der sechste amtierende US-Präsident, der Israel besucht. So verschieden die Versuche seiner Vorgänger auch waren, nachhaltigen Erfolg hatte niemand. „Wir kriegen das hin“, gab er sich gestern dennoch sicher.

Kommentar von Tobias Schmidt: Friedensstifter?
Donald Trump nimmt eine bislang ungewohnte Rolle ein, gibt sich einmal nicht als Krawallmacher sondern als Friedensstifter. Der US-Präsident sendet wichtige Signale bei seinem Nahost-Besuch. Er meint es ernst mit seinem Versuch, Israelis und Palästinenser zurück an den Verhandlungstisch zu bringen. Ob er schafft, woran alle seine Vorgänger und besonders Obama gescheitert waren, ist noch nicht abzusehen.  Zweifel sind angebracht, ob Trump wirklich Kraft und Konzentration aufbringen wird, den Nahostkonflikt zu entwirren.  Und doch sind die Hoffnungen, die jetzt in Trump gesetzt werden, nicht vollständig unbegründet. Der Präsident hat als Deal-Maker unbestrittene Qualitäten.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen