Bundestagswahl 2017 : Wie leben Deutschlands Kinder?

In Deutschland leben 13 Millionen Kinder.
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In Deutschland leben 13 Millionen Kinder.

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17. September 2017, 05:00 Uhr

Die Familienpolitik ist ein zentrales Thema im laufenden Bundestagswahlkampf – das zuständige Ministerium zieht nun mit einem Report Bilanz. Demnach hat sich die Zahl der von Armut bedrohten Kinder erhöht und es profitieren längst nicht alle Familien vom wachsenden Wohlstand. „Jeder Euro, den wir in gute Ganztagsschulen und Horte investieren, zahlt sich mehrfach aus“, erklärte Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) gestern.

Wie viele Kinder leben in Deutschland?
In Deutschland lebten 2015 rund 13 Millionen Kinder, die minderjährig sind. Elf Prozent der Familien haben drei oder mehr Kinder. Die Geburtenrate ist zuletzt auf 1,5 je Frau gestiegen – der höchste Wert seit 33 Jahren.

Wie ist um die Finanzen der familien bestellt?
Die Einkommen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Während das Nettoeinkommen von Familien mit minderjährigen Kindern im Jahr 2004 noch bei etwa knapp 18 000 Euro lag, betrug es zehn Jahre später schon fast 22 000 Euro – ein Anstieg um knapp 23 Prozent. Eine Mehrheit der Familien empfindet die eigene wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut.

Warum ist die Kinderarmut gestiegen?
Gestiegen ist der Anteil der Kinder, die von Armut bedroht sind. Davon geht die Wissenschaft aus, wenn sie in Haushalten mit einem Pro-Kopf-Einkommen von netto weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung leben. Laut des Familienreports waren im Jahr 2015 knapp 20 Prozent der Kinder und Jugendliche armutsgefährdet, das sind 2,8 Millionen unter 18-Jährige. 2010 hatte die Quote noch bei 18,2 Prozent gelegen. Die Entwicklung ist eine Folge der Zuwanderung. Jeder zweite zugewanderte unter 18-Jährige ist laut Report von Armut bedroht. Bei Kindern ohne Migrationshintergrund war der Anteil hingegen konstant.

Was sind die größten Armutsrisiken?
„Fehlende oder geringe Erwerbstätigkeit der Eltern ist die wesentliche Ursache für Armutsgefährdung“, heißt es im Familienreport. Bei Familien, in denen keines der Elternteile erwerbstätigt ist, beträgt das Armutsrisiko 64 Prozent, bei Alleinerziehenden 44 Prozent. Wesentliche Voraussetzung für existenzsichernde Beschäftigung möglichst beider Elternteile ist laut Familienministerium Kindertagesbetreuung. Die staatlichen Mittel, die dafür jährlich gezahlt werden, betragen knapp 24,6 Milliarden Euro. Das Ministerium fordert einen Rechtsanspruch auf Schulkindbetreuung.

Wie steht es um die Chancen von Kindern aus ärmeren Familien?
Ihre Chancen sind schlechter. Der Report zeigt, dass Kinder aus Familien mit geringen Einkommen deutlich seltener an Sportangeboten, musikalischer Früherziehung, künstlerischen Aktivitäten oder anderen Eltern-Kind-Gruppen teilnehmen als Kinder aus wohlhabenderen Familien.

Haben Väter heute eine andere Rolle im als früher?
Ja. Das lässt sich unter anderem daran ablesen, dass immer mehr Frauen arbeiten. Bei Müttern mit Kindern zwischen zwei und drei Jahren ist die Erwerbstätigkeit seit 2006 von 42 auf 58 Prozent gestiegen. Und immer mehr Väter nehmen Elternzeit. 2006 waren es noch 3,5 Prozent gewesen. Inzwischen sind es 35 Prozent.

 

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