Gewalt an Grundschulen : Wie Förderzentren Schulen unterstützen

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Lernen, Sprechen, Hören – es gibt viele sonderpädagogische Förderschwerpunkte. Manchmal liegt ein Bedarf im Verborgenen.

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05. August 2019, 12:00 Uhr

Inklusion ist für Grundschulen eine enorme Aufgabe – das schaffen sie nicht immer allein. Sonderpädagogen von Förderzentren unterstützen Schüler mit Förderbedarf deshalb auch an dieser Grundschule in Schleswig-Holstein im Unterricht.

Reporterin Dana Ruhnke hat von Oktober 2018 bis April 2019 in der Klasse 3c einmal wöchentlich die Schulbank gedrückt. Die Grundschule steht in Schleswig-Holstein und gilt als Brennpunktschule, ihr Name soll auch deshalb in dieser Reportage nicht genannt werden. Sie steht beispielhaft für die Herausforderungen und Chancen im Mikrokosmos Schule, für die kleinen und großen Rückschläge und Erfolge. Auch die Lehrer, Schulleiter und Schüler haben eigentlich andere Namen. Der Name von Schulleiter Detlef V. wurde auf seinen Wunsch gekürzt.


Aktuell gibt es in Schleswig-Holstein 86 Förderzentren, die Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf unterrichten oder fördern. Es gibt die Förderschwerpunkte Lernen, Sprache, geistige Entwicklung, körperlich-motorische Entwicklung, Hören, Sehen, autistisches Verhalten, emotional und soziale Entwicklung sowie dauerhaft kranke Schüler.

Wie das für die Schule dieser Reportage zuständige Förderzentrum funktioniert, erklärt dieses Video:

„Wenn ich eine Inklusionsklasse im Fernsehen sehe, ist es immer der Standard-Rollstuhlfahrer. Das wirklich Schwierige ist aber, wenn ich jemanden habe, der aufgrund einer Erkrankung oder aufgrund traumatischer Erlebnisse nicht in einer Großgruppe beschult werden kann – das sehe ich dem Kind nicht auf den ersten Blick an“, so Sabine Bader, die Konrektorin der Grundschule. 

Den meisten Kindern gelingt es, aggressive und antisoziale Impulse zu kontrollieren. Es gibt aber auch Kinder, die diesen Reifeprozess nur unzureichend oder gar nicht durchlaufen. Sie haben sozial-emotionale Entwicklungsstörungen.

Die Ursachen dafür können vielfältig sein – etwa biologisch oder erzieherisch bedingt. Aber auch Umweltfaktoren können eine Rolle spielen. Neurologen gehen davon aus, dass in den meisten Fällen das familiäre Umfeld am einflussreichsten ist.

„Für Kinder ist es überlebenswichtig, Aufmerksamkeit der Mutter zu bekommen. Kriegen sie die auf normalen Weg nicht, dann vielleicht, wenn sie schreien, oder wenn das Geschwisterchen schreit. Aus dem Geschwisterchen wird in der Schule der Nebenmann“, beschreibt Gabriele Jessen, Leiterin des Förderzentrums im Einzugsbereich dieser Grundschule, einen möglichen Auslöser für aggressives Verhalten.

„Kinder sind nicht aggressiv, weil sie böse sind, sondern weil sie keine alternative Handlungsmöglichkeit haben.“ Gabriele Jessen, Schulleiterin Förderzentrum

Diese Muster wieder zu verlieren, dauere mindestens genauso lange wie sie zu erlernen. Helfen können gezielte Temporäre Maßnahmen.

Kehren Kinder mit emotional-sozialen Problemen danach zurück an diese Grundschule im sozialen Brennpunkt, haben sie keinen offiziellen Förderstatus mehr. Sie erhalten deshalb vor Ort auch keine sonderpädagogische Unterstützung mehr.

Dazu die schleswig-holsteinische Bildungsministertin Karin Prien (CDU):

Es gibt an dieser Schule aktuell 17 Kinder, für die ein Lernplan für emotional-soziale Entwicklung erarbeitet wurde. In ihm werden Verhaltensziele festgelegt und regelmäßig überprüft. Maja aus der 3c ist eines von ihnen.

Sechs Kinder mit dem Status Lernen und eines mit dem Status Geistige Entwicklung enthalten sonderpädagogische Unterstützung von den Fachkräften des Förderzentrums. Der tatsächliche Bedarf dürfte höher liegen, weil der Status erst ab Schuljahr 3 festgestellt wird.

Sechs Monate lang war Dana Ruhnke als Reporterin in der Grundschule zu Gast und hat selbst viel über das Schulsystem gelernt. Wie hat sie die Zeit erlebt? Ihre Erfahrungen schildert sie in diesem Video:

Weiterlesen: So lief die Recherche an der Schule.

Lesen Sie alle Teile unserer Reportage hier.

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