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CDU-Parteitag : Wie die CDU modern werden will

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Das Ringen um die Einigung in der Flüchtlingskrise beherrscht den CDU-Parteitag. Dabei muss sich die Partei dringend noch mit so vielen anderen Dingen beschäftigen - zum Beispiel mit der eigenen Zukunft.

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erstellt am 15.Dez.2015 | 11:14 Uhr

Meist steht sie breitbeinig und mit verschränkten Armen auf einem Podium oder sitzt leicht vorgebeugt auf einem Stuhl und diskutiert. Sie ist auf fast unheimliche Weise eloquent, spricht druckreif, schreibt bildschön und schön gebildet. Sie ist erst 24, seit sieben Jahren Parteimitglied und spätestens in den vergangenen zwölf Monaten zu einer Art Poster-Girl für die „moderne CDU“ geworden. „Ein komisches Gefühl“, sagt Diana Kinnert. „Ich mache nichts anders, als all die Jahre zuvor auch schon.“ Parteiarbeit kennt sie bereits aus dem Effeff; der Parteitag am Montag und Dienstag in Karlsruhe ist ihr zweiter.

Gemeinsam mit Mitstreitern verkörpert die 24-Jährige eine neue Form von Volkspartei. Eine „Mitmachpartei“, sagt Kinnert, die maßgeblich am Reformpapier „Meine CDU 2017“ mitgearbeitet hat, das am Montagabend mit deutlicher Mehrheit angenommen worden war.„Hierarchiefrei, digital, themenspezifisch und projektorientiert.“ Frauenfreundlich, jung, offen und mit der Basis eng verzahnt.

So soll es zumindest werden. So ist es noch: Ein Frauenanteil von lediglich 26 Prozent. Ein Altersdurchschnitt von 59 Jahren. Weniger als fünf Prozent der Mitglieder unter 25. Oft behäbige Strukturen auf Kreisebene, die altgedienten Parteigranden das Feld überlassen, während junge Mitglieder oft außen vor bleiben und die Partei nicht selten ein paar Monate nach Eintritt frustriert wieder verlassen.

Angeblich hat nur jedes dritte CDU-Mitglied eine E-Mail-Adresse. „Meine CDU 2017“, soll vieles ändern und eine neue Generation ins Parteiboot holen: „Die CDU wird ihr Online-Angebot und ihre Präsenz in allen wichtigen Sozialen Netzwerken weiter ausbauen. Klassische Kommunikation soll noch stärker mit Online-Elementen vernetzt werden“, heißt es darin.

„Parteiveranstaltungen dürfen nicht die langweiligsten sein“, sagt Kinnert. „Ich weiß von Fortschritten vor Ort, von CDU-WhatsApp-Gruppen zur Terminkoordination, von neuen Veranstaltungsformaten, von digitalen Partizipationswerkzeugen“, erzählt sie. „Aber es dauert. Und es braucht auch, bis sich neue Netzwerke gründen, neue Köpfe selbstständig organisieren.“ Neue, junge Köpfe gibt es einige in der CDU. Und sie fallen auch rein äußerlich auf. Conrad Clemens, Bundesgeschäftsführer der Jungen Union, läuft gerne im Kapuzenpulli auf; Peter Tauber ist mit fescher Brille und 41 Jahren ein sehr junger Generalsekretär; Kinnert zieht mit wechselnden Kappen die Blicke auf sich und wirkt eher wie eine junge Piratin. Das alles sieht charmant und fröhlich aus, vorschnelle Schlüsse auf parteiliche Verjüngung wären aber oberflächlich und verfrüht. „Wer sich aktuell von solchen Vorbildern angezogen fühlt, “der ist nicht gleich morgen engster Merkel-Mitentscheider„, sagt Kinnert.

Schöne neue digitale Welt als Allheilmittel - sicher nicht. Aber dass die Partei inzwischen gerade diesen Kanälen besonderes Beachtung schenkt, zeigt sich bereits. “Ich selbst wäre ja niemals in die Parteireformkommission eingeladen worden, hätte ich mich nicht jahrelang irgendwie einschlägig zum Thema geäußert - und das gerade über digitale Wege.„ In ihren politischen Anfängen in Wuppertal auf einer Sitzung von CDU-Männern noch mit einer Kellnerin verwechselt kennt man sie inzwischen. Jung, weiblich, Migrationshintergrund - ein idealer Mix für die “neue„ CDU. Kinnert, hauptsächlich eigentlich Politologie- und Philosophiestudentin, ist außerdem in der Konrad-Adenauer-Stiftung aktiv und leitet das Abgeordnetenbüro von Peter Hintze.

Wie sich die neuen Ideen auf die Zukunft der Volkspartei auswirken werden - in diesen Zeiten ist das besonders schwer zu sagen. Der Streit um die Flüchtlingspolitik überschattet vieles und konterkariert zwangsläufig auch so manche Mühen um innerparteiliche Erneuerung: Es treten wieder mehr Menschen ein, aber es treten auch wieder mehr aus. Im Oktober verließen 2062 und damit ein Viertel mehr Mitglieder die Partei als im Vormonat.

Für Kinnert ist klar: Strukturelle Reformen mit Leben zu füllen, ist ein “Kopfprozess„. Das dauere und sei nicht einfach an Indikatoren wie Ein- oder Austritten festzumachen.“ Am Ende des Tages entscheidend sei die politische Botschaft. Und die stimmt, gerade jetzt, ist Kinnert überzeugt. „Wenn ich eine neue Partei gründen müsste, würde ich das Programm der CDU Wort für Wort abschreiben.“

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