Top-Verdiener im Bundestag : Wie Abgeordnete ihre Diäten aufbessern

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18 Millionen Euro nebenbei: Die Top Ten der Zusatzverdiener im Bundestag

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09. August 2016, 21:00 Uhr

Sie heißen Graf Lerchenfeld, Röring oder Stegemann, von Marwitz, Harbarth und Henke. Im Bundestag fallen sie kaum auf, machen nur wenig von sich reden und selten Schlagzeilen. Die Namen einiger Topverdiener im Parlament sind oft nur in den Wahlkreisen und den Kollegen bekannt. Sie arbeiten als Berater, in Anwaltskanzleien und in der Landwirtschaft und landen so Jahr für Jahr weit oben auf der Liste der Top-Nebenjobber des Bundestages.

Auf insgesamt mehr als 18 Millionen Euro nebenbei seit Beginn der Legislaturperiode hat die Organisation Abgeordnetenwatch.de den Nebenverdienst der Parlamentarier ermittelt. Angesichts der intransparenten Veröffentlichungspflichten rechnen die Experten aber noch mit deutlich höheren Zusatzeinnahmen. Nach deren Schätzungen könnten es sogar rund 33 Millionen Euro sein. Jeder vierte Bundestagsabgeordnete hat danach neben seinen Diäten in Höhe von 9327 Euro noch weitere Einkünfte, berichtete gestern der Verband, der sich für mehr Transparenz im Politik-Betrieb einsetzt.

Sechs Parlamentarier hätten Zusatzverdienste der Höchststufe 10 und damit über 250 000 Euro angegeben. Die Spitze der Top Ten wird wie schon im Vorjahr angeführt vom CSU-Finanzexperten und Landwirt Philipp Graf Lerchenfeld aus dem Kreis Regensburg mit mindestens 1,73 Millionen Euro Nebensalär seit 2013. Es folgen die Landwirte Johannes Röring (1,32 Millionen) und Albert Stegemann (1,12 Millionen) von der CDU. Mandat, Hof und Beraterjobs führen zu den Spitzensummen.

Der Heidelberger Rechtsanwalt Stephan Harbarth, Vize-Fraktionschef der Union, kommt ebenfalls auf über eine Million Zusatzeinkünfte in der laufenden Legislatur. Er ist Vorstandsmitglied der Anwaltskanzlei SZA Schilling, Zutt und Anschütz, die auch für VW in der Abgasaffäre tätig war. Interessenskollisionen mit seinem Mandat sieht er nicht: Politiker sollten auch in ihrer Abgeordnetenzeit nah bei den Menschen im Leben und Beruf bleiben, erklärte er.

Besonders engagiert in eigener Sache sind die Volksvertreter der CSU: Fast die Hälfte der 56 christsozialen Bundestagsabgeordneten kann sich über zum Teil erhebliche Nebenverdienste freuen.

Die Kollegen von der CDU dagegen sind weniger eifrig. Dort kann sich nur gut jeder Vierte über eine lukrative Nebentätigkeit freuen. Von den 13 Top-Nebenverdienern des Bundestages mit gemeldeten Einkünften von mehr als 300 000 Euro gehören zwölf der Unionsfraktion an. Bei der SPD ist es nur jeder Fünfte.

Unter den Top Ten der Nebenjobber ist erneut auch der frühere Bundesfinanzminister und ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Er kommt vor allem mit Redner-Honoraren auf mehr als eine halbe Million Euro. 

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