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Wer betrügt, der fliegt: Muss CSU-General Scheuer bald gehen?

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2014 | 00:35 Uhr

Holen ihn jetzt seine eigenen deutlichen Worte ein? „Wer betrügt, der fliegt!“, hatte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer zuletzt noch in der kontroversen Debatte über die Armutszuwanderung gesagt und die umstrittene Zuspitzung der Christsozialen trotzig verteidigt. Schließlich pflege seine Partei nun einmal eine klare Sprache. Jetzt sieht sich der neue CSU-General selbst dem Verdacht ausgesetzt, betrogen zu haben. Der Vorwurf: Scheuer soll seinen in Tschechien erworbenen Doktortitel zu Unrecht geführt und auch Passagen seiner Dissertation abgeschrieben haben. Der Passauer Bundestagsabgeordnete – ein Plagiator auf den Spuren des früheren Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg? Scheuer zog gestern die Notbremse, will seinen Titel einstweilen nicht mehr führen und seine Arbeit von der Universität Münster prüfen lassen. „Um eine kaum handhabbare Praxis beim Führen des Titels zu vermeiden, habe ich mich entschieden, vom Führen des Titels künftig völlig abzusehen“, erklärte er gestern.

Dass Scheuer sein „kleines Doktorat“, das er 2004 an der Prager Karls-Universität erworben hatte, war bekannt. 2006 hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Titelmissbrauchs eingestellt. Ausgerechnet vom bayerischen Wissenschaftsministerium hatte sich der CSU-Politiker damals ein ordentliches Promotionsverfahren attestieren lassen. Nun, nach seinem Karrieresprung vom Parlamentarischen Staatssekretär im Verkehrsministerium zum CSU-Generalsekretär und dem Schritt ins politische Rampenlicht, tauchen neue Vorwürfe dazu auf. Laut „Frankfurter Allgemeine“ hat Scheuer seinen Doktortitel nicht nur in Berlin und Bayern geführt. Außerhalb Berlins und Bayerns darf er jedoch nur die tschechische Abkürzung „PhDr.“ (Doktor der Philosophie) für das „kleine Doktorrat“, was etwa einer Magisterarbeit entspricht, wählen. Zudem soll Scheuer in seiner Arbeit unter dem Titel „Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns“ ganze Passagen aus einer Veröffentlichung der Bundeszentrale für politische Bildung kaum verändert wiedergegeben haben, ohne dies kenntlich zu machen.

Kaum im Amt, steht der neue CSU-General mächtig unter Druck. Mit dem Verzicht auf das Führen seines Titels, will Scheuer offenbar einen Rücktritt vermeiden, Zeit gewinnenm, bis das Ergebnis der Überprüfung der Uni Münster vorliegt und sich die Kritik wieder gelegt hat. Gerade erst hatte sich Parteichef Seehofers Generalsekretär über gute Umfragewerte wenige Wochen vor der bayerischen Kommunalwahl am 16. März freuen können. Jetzt holt die Christsozialen einmal mehr eine umstrittene Doktorarbeit ein.


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