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Steuerzahlergedenktag : Wenn von jedem Euro nur 45,4 Cent übrig bleiben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Steuer- und Abgabenlast der Deutschen – heute ist „Steuerzahlergedenktag“

von
erstellt am 19.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Seit heute früh, 3.27 Uhr, arbeiten Bürger und Betriebe in Deutschland wieder für ihr eigenes Portemonnaie. Alles, was sie seit Jahresbeginn erwirtschaftet haben, ging an den Staat – in Form von Steuern und Abgaben. Daran erinnert der Bund der Steuerzahler mit dem heutigen „Steuerzahlergedenktag“, der noch nie so spät im Jahr gelegen hat wie diesmal. Im Klartext: Die Steuer- und Abgabenbelastung steigt, ebenso die Einnahmen von Fiskus und Sozialkassen. Ein Überblick.

So viel bleibt netto: Von jedem Euro bleiben den Steuerzahlern in diesem Jahr im Schnitt 45,4 Cent – so wenig wie noch nie. 33,3 Cent werden als Steuern fällig, 21,3 Cent als Beiträge zu den Sozialversicherungen. Der Rest entfällt auf so genannte „Quasi-Steuern“. Laut Steuerzahlerbund liegen die Bruttoverdienste in Deutschland im internationalen Vergleich zwar sehr hoch, die Nettoeinkommen aber nur im Mittelfeld.

So häufig greift der Spitzensteuersatz: Inzwischen trifft der Höchstsatz von derzeit 42 Prozent auch Normalverdiener und das bereits beim 1,3-fachen des Durchschnittseinkommens. Wer als Single ein zu versteuerndes Einkommen von rund 54 000 Euro im Jahr hat, muss ihn zahlen. Griff der Spitzensteuersatz im Jahr 2000 noch bei 1,2 Millionen Steuerpflichtigen, so dürfte dies im laufenden Jahr nach Schätzungen des Bundesfinanzministeriums bei 3,73 Millionen Singles der Fall sein. Union und SPD haben in ihren Wahlprogrammen angekündigt, die Schwelle für den Spitzensteuersatz auf 60 000 Euro zu erhöhen.

Das hat sich bei den Sozialabgaben getan: Von jedem verdienten Euro werden im Schnitt 1,4 Cent für die gesetzliche Pflegeversicherung fällig. Der Beitrag war zu Jahresbeginn nochmals angehoben worden. Gerechnet wird für 2017 mit einem Anstieg der Soziallastquote von 20,9 auf 21,3 Prozent.

Der Steuerzahlerbund fordert angesichts der Rücklagen der Bundesagentur für Arbeit eine Senkung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung um 0,5 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent – was Arbeitnehmer und Betriebe um fünf Milliarden Euro entlasten würde.

Die „Quasi-Steuern“: Zu diesem Posten zählen vor allem die Haushaltsabgabe („Rundfunkgebühr“) und die EEG-Umlage. Mit einem Gesamtvolumen von 28,5 Milliarden Euro geht es dabei um einen erheblichen Posten. Auf rund 8 Milliarden Euro belaufen sich die jährlichen Einnahmen aus der Abgabe für die Rundfunknutzung. Für 2017 wird ein Anstieg der Belastung aus „Quasi-Steuern“ um 1,2 Prozentpunkte erwartet.

So sieht es beim Solidaritätszuschlag aus: Der Soli - eine Abgabe von fünf Prozent der Einkommen- beziehungsweise Körperschaftsteuer – bringt dem Bund in diesem Jahr voraussichtlich nur noch 17,6 Milliarden Euro.

So „verdient“ der Staat an seinen Steuerzahlern: Fürs laufende Jahr kalkulieren Bund, Länder und Kommunen mit Steuereinnahmen von 732,4 Milliarden Euro – Tendenz stetig steigend. Im Jahr 2021 könnten es nach Angaben des Arbeitskreises Steuerschätzung 852,2 Milliarden Euro sein. Angesichts dieser Zahlen spielt das Entlastungsthema im laufenden Bundestagswahlkampf eine zentrale Rolle.

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