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Begehrter Boden : Wem gehört der Ost-Acker? 

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Agrarflächen sind bei Spekulanten begehrt, besonders in Ostdeutschland. Kritik gibt es immer wieder an der BVVG, die frühere volkseigene Äcker privatisiert. Doch für Investoren sind andere Betriebe spannender.

25 Jahre nach der Wiedervereinigung tobt im Osten ein Kampf ums Ackerland. Bauern, Investoren und Konzerne hoffen auf Rendite – durch Nahrungsrohstoffe für die wachsende Weltbevölkerung, durch nachwachsende Energiequellen und steigende Bodenpreise. Diese haben sich seit 2007 fast verdreifacht, auch die Pachtpreise schnellen hoch. Die wichtigsten Akteure auf dem lukrativen Markt:

Die LPG-Nachfolger
Sie halten das Gros der Agrarflächen im Osten – was an den Direktzahlungen der EU ablesbar ist, die an die Fläche gekoppelt sind. Von den 30 deutschen Agrarbetrieben, die 2014 mehr als 1,5 Millionen Euro bekamen, sind 28 Genossenschaften im Osten. Kritik an der EU-Subventionspraxis gibt es seit langem. Es sei eine großbetriebliche Landwirtschaft konserviert worden, hieß es schon 2012 in einem Gutachten für den Brandenburger Landtag. Die Gegenseite entgegnet, die Großen produzierten mehr und vor allem effizienter. Die früheren Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) sind besonders interessant für Investoren. Denn viele, die zu Wendezeiten die Betriebe übernommen haben gehen nun in Rente und verkaufen ihre Anteile.

Die Unternehmer
Wo Flächen frei werden, fassen immer mehr finanzstarke Investoren aus dem Westen Fuß. Die Grünen sehen eine „schleichende Übernahme“. Zu den größten Bodenbesitzern zählt die KTG Agrar mit 45 000 Hektar Land, vor allem in Ostdeutschland, zudem in Litauen und Rumänien. Man habe zur richtigen Zeit investiert, betont der Vorstandschef und Gründer, der aus Bayern stammende Landwirt Siegfried Hofreiter. „Für KTG bedeutet die Bodenpreissteigerung, dass hohe stille Reserven gebildet wurden“, bemerkt die börsennotierte SE im Geschäftsbericht und blickt weiter östlich: „In Zukunft wird das Flächenwachstum außerhalb von Deutschland im Fokus stehen.“

Die Kapitalanleger
Andere Unternehmer zielen neben guten Ernten ausdrücklich auf die Wertsteigerung der Ost-Äcker, etwa die Agro Energy AG, hinter der Hamburger Investoren und der Sauerländer Agrarunternehmer Matthias Graf von Westphalen stehen. In einem ersten, vor vier Jahren verkauften Investment mit 4200 Hektar holten sie für die Anleger nach eigenen Angaben eine jährliche Rendite von 13,5 Prozent. Nun werde über den Kauf von 20 000 Hektar in Ostdeutschland verhandelt. Andere große Namen auf dem Ost-Bodenmarkt sind die niedersächsischen Unternehmensgruppen Lindhorst und Steinhoff sowie die Rethmann-Gruppe.

Die Energiekonzerne
Noch recht neu ist, dass Energiekonzerne nach Boden greifen, um schnell wachsende Bäume wie Pappeln und Weiden zu pflanzen, die sie in Kraftwerken verheizen. So bewirtschaftet der schwedische Staatskonzern Vattenfall Plantagen auf 1800 Hektar. Brandenburg erwartet, dass die Fläche dieser „Kurzumtriebsplantagen“ im Land bis zum Jahr 2020 auf 10 000 Hektar wächst.

Die BVVG
Die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG), Nachfolgerin der Treuhand, verkaufte einst volkseigene Flächen im Osten zu Höchstgeboten. In ihrem Bestand  sind  noch  177 000 Hektar Acker- und Weideland sowie 16 000 Hektar Wald – insgesamt mehr als sechsmal so viel wie die Fläche der Stadt München. Bauernvertreter kritisieren die Preispolitik der bundeseigenen BVVG. Vorwiegend Großbetriebe und westliche Agrarindustrielle kämen zum Zug. Die BVVG betont, der Großteil der Verkäufe gehe an ortsansässige Bauern. Für große Investoren seien die Ausschreibungen mit durchschnittlich wenigen Hektar uninteressant.

Die Politik
Sie hat sich spät zum Handeln durchgerungen. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat kürzlich verfügt, dass die BVVG in noch kleineren Losen privatisiert und Kontingente für Biobetriebe und Junglandwirte vorhält. Das brandenburgische Agrarministerium arbeitet an einem Erlass, ortsansässige Bauern zu bevorzugen. In Sachsen-Anhalt wird ein Gesetz gegen Bodenspekulation diskutiert. Die Initiativen richten sich gegen außerlandwirtschaftliche Spekulanten.

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