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Gipfel der Unionsparteien : Weckruf für die Union

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Schulz-Effekt und die Suche von CDU und CSU nach wirksamen Wahlkampfrezepten

svz.de von
erstellt am 05.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Nach außen hin gibt man sich demonstrativ gelassen. Die Euphorie bei der SPD, der Hype um deren Kanzlerkandidaten Martin Schulz und der Sprung der Sozialdemokraten in den Meinungsumfragen – kein Grund zur Sorge, heißt es bei den Spitzen von CDU und CSU offiziell. War das von Horst Seehofer ausgegebene Wahlziel von „40 plus x“ zu hoch gegriffen?

„Wir sind doch keine Hasen, die im Feld hin und herhüpfen, je nachdem, wo gerade Regentropfen fallen. Wir machen nicht dieses Spiel jeden Tag und jede Woche, je nach Stimmungen“, erklärte der CSU-Chef heute zum Auftakt des Versöhnungsgipfels der Schwesterparteien in München. Deshalb bleibe es auch bei dem von ihm formulierten Ziel.

Glaubt man den Demoskopen, ist der stattliche Vorsprung der Unionsparteien in nur einer Woche deutlich zusammengeschmolzen. Die SPD liegt plötzlich nah an der Dreißig-Prozent-Marke, die Union nur noch bei 33 Prozent – seit fünf Jahren waren die beiden großen Volksparteien nicht mehr so nah beieinander. Natürlich hatte man in den Parteizentralen von CDU und CSU damit gerechnet, dass die SPD nach Klärung der K-Frage früher oder später zulegen würde. Vom aktuellen Schulz-Schub allerdings, der den Genossen ein kräftiges Hoch und jede Menge neue Mitglieder beschert, sind die Unionsstrategen unangenehm überrascht.

Schluss mit dem Dauerstreit über Flüchtlinge und Obergrenzen, lautet jetzt die Devise. Wiedervereinigung in München. Morgen wollen Angela Merkel und Horst Seehofer nach dem Strategietreff ihrer Parteipräsidien dies gemeinsam besiegeln. Ende der monatelangen Attacken. Gelassenheit und Geschlossenheit sei jetzt das Gebot der Stunde.

Für CDU-Rebell Wolfgang Bosbach sind die aktuellen Umfrageergebnisse „ein Weckruf“ für die Union. Man brauche jetzt einen klaren politischen Kurs und müsse aufpassen, „dass wir nicht auf der Suche nach einem neuen Wähler zwei Stammwähler verlieren“, warnt er.

„Dass die SPD sich ein bisschen an sich selber berauscht, sei ihr gegönnt“, reagiert CDU-Generalsekretär Tauber auf die jüngsten Umfragewerte. „Je länger sie das tut, desto stärker wird der Kater am Wahlabend sein.“ CSU-Chef Seehofer klingt da schon deutlich ernster. Zwar mache er sich wegen der steigenden SPD-Umfragewerte keine Sorgen. Doch sei er sich mit Kanzlerin Merkel einig, dass es „der schwierigste Wahlkampf“ werde.

SPD nähert sich der 30-Prozent-Marke
Mit dem Kanzlerkandidaten Martin Schulz kann sich die SPD weiter über einen Anstieg in der Wählergunst freuen. Im Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts Emnid schoss die SPD um 6 Punkte auf 29 Prozent in die Höhe. Weil die Union zugleich um 4 Punkte auf 33 Prozent absackte, verringerte sich der Abstand  binnen einer Woche von 14 auf 4 Prozentpunkte. So nah beieinander lagen die beiden großen Parteien zuletzt in einer Emnid-Umfrage im Juli 2012. Auch Grüne und Linke  verlieren jeweils zwei Punkte auf 8 Prozent. Konstant bleiben  die AfD mit 11 Prozent und die FDP mit 6 Prozent. Mit zusammen 45 Prozent rückt eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün erstmals seit langer Zeit wieder in Reichweite.
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