Studie : Was uns Angst macht

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Flüchtlingsströme und Terrorgefahr – Wie berechtigt sind die Sorgen der Deutschen?

svz.de von
04. September 2015, 08:00 Uhr

Eines vorweg: Mit Spinnen, Höhe oder engen Räumen haben die größten Ängste der Deutschen nichts zu tun. Eine gestern veröffentlichte Studie legt offen, was die Bundesbürger am meisten beunruhigt – vor allem das, was fremd und unkontrollierbar ist.

Wovor haben die Deutschen am meisten Angst?

Mehr als private Sorgen treiben sie gesellschaftliche und politische Themen um. Jeder Zweite fürchtet Konflikte durch Zuwanderung, wie eine repräsentative Studie der R+V-Versicherung ergab. Die Hälfte der Befragten sorgt sich darum, dass die zunehmende Zahl von Asylbewerbern die Politik überfordert. Größte Angst in diesem Jahr sind hohe Kosten für den Steuerzahler wegen der Schuldenkrise, gefolgt von Naturkatas-trophen und Terrorismus. Aber jeder Zweite fürchtet sich auch davor, im Alter ein Pflegefall zu werden. Fast ebenso viele haben Angst vor einer schweren Erkrankung.

Woher kommen diese Befürchtungen?

„Menschen brauchen Vorhersagbarkeit, Kontrollierbarkeit und vertraute Partner innerhalb einer sozialen Gruppe“, sagt Psychologe Peter Walschburger von der FU Berlin. „Alles, was dem entgegentritt, macht erstmal Angst.“ Das komme etwa bei der Sorge angesichts des Flüchtlingszustroms zum Tragen. „Der Mensch ist extrem gruppenspezifisch orientiert. Fremdes wird eher mit Misstrauen als mit Neugier beäugt.“

Hat jeder Mensch andere Ängste?

Die großen Themen bleiben weitgehend gleich. Aber: „Ängste haben auch mit der Erziehung und der sozialen Situation zu tun“, sagt Soziologe Andreas Schmitz, der an der Universität Bonn zu dem Thema forscht. „Jeder Mensch hat spezifische Ängste.“ Ältere Menschen machen sich mehr Sorgen um Krankheiten oder den Tod, weil diese Bedrohung für sie akuter sei als etwa für Jugendliche.

Sind Frauen ängstlicher als Männer?

Sie gehen zumindest offener damit um. „Es ist für einen Mann immer noch schwieriger, Ängste zuzugeben“, sagt Schmitz. Die R+V-Studie beobachtet gleichzeitig mehr Mumm beim weiblichen Geschlecht. „ Einer jüngst veröffentlichten YouGov-Umfrage zufolge haben Männer zudem mehr Angst, verlassen zu werden: Jeder Dritte fürchtet sich davor, bei den Frauen ist es nur jede Vierte.

Wie begründet sind die großen Sorgen vor Dingen, die von außen kommen?

So mancher sollte sich wohl besser da-rüber Sorgen machen, dass ihn sein Partner verlassen könnte. Ein Beziehungs-Aus beispielsweise sei viel wahrscheinlicher, als Opfer eines Terroranschlags zu werden, sagt Soziologe Schmitz. „Die medial inszenierten Großereignisse lagern sich bei vielen Menschen im Kurzzeitgedächtnis ein.“ Anders als persönliche Sorgen hätten Ängste vor externen Einflüssen aber ein Verfallsdatum. Die zeitweise sehr verbreitete Angst vor dem Ozonloch oder vor HIV sei irgendwann zum Beispiel abgeebbt, als die Themen medial nicht mehr so im Fokus standen.

Haben wir zu viel Angst?

„Der Mensch ist im Grunde kein Angsthase, sondern ein ziemlich unternehmungslustiges Wesen“, betont FU-Psychologe Walschburger.

Angst-Forscher Schmitz hält sie sogar für gesund: „Aus soziologischer Sicht ist das ein ganz notwendiger Teil unserer Existenz.“

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