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USA vs. Nordkorea : War Trumps Wutrede gespielt?

vom
Aus der Onlineredaktion

Kriegsdrohung des US-Präsidenten gegen Nordkorea war improvisiert

svz.de von
erstellt am 10.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Donald Trump hat es wieder einmal geschafft. Mit nur wenigen Worten erreichte der US-Präsident die Aufmerksamkeit der ganzen Welt. Seine „Feuer, Wut und Macht“-Rhetorik gegenüber Nordkorea hat die Furcht vor einer militärischen Konfrontation, die in einem nuklearen Höllen-Szenario enden könnte, wachsen lassen. Doch seit dem denkwürdigen Moment in seinem Golfklub in New Jersey rätselt nicht nur Washington: Ist der Zorn Trumps auf Kim Jong Un echt? Wie ernst meint er es wirklich mit den Muskelspielen? Und welchen mildernden oder bestätigenden Einfluss haben jene Generäle und Militärexperten, mit denen der Präsident sich umgeben hat?

Mittlerweile scheint festzustehen, dass Trump bei seiner kurzen Wutrede von einem vorbereiteten Manuskript abwich, improvisierte und dabei über das von seinen Beratern vorgegebene Ziel hinausschoss. Das lässt sich auch aus der Aussage des um Deeskalation bemühten Außenministers Rex Tillerson ablesen, der versichert hatte: „Ich denke, die Amerikaner sollten nachts gut schlafen.“

Unklar ist allerdings weiterhin, wie beratungswillig der US-Präsident ist und wie sehr er die Meinung jener Männer schätzt, die er immer wieder als „meine Generäle“ bezeichnet. Sein Stabschef John Kelly, sein Sicherheitsberater H. R. McMaster und sein Verteidigungsminister Jim Mattis, der am Mittwoch sogar Pjöngjang vor der „Vernichtung des ganzen Volkes“ gewarnt hatte, hätten ihm beispielsweise – wenn gefragt – die frühmorgendliche Twitter-Prahlerei mit den modernisierten Atomwaffen ausreden können.

Denn wie gestern auch die „Washington Post“ feststellte, hatte der US-Präsident bei seinem Verweis auf das Nukleararsenal der Vereinigten Staaten gleich mehrere Unkorrektheiten verbreitet. Zum einen sei das amerikanische Atomwaffenarsenal dasselbe wie vor der Amtseinführung, so die Zeitung unter Bezug auf einen US-Rüstungsexperten. Und Trumps Vorgänger Barack Obama – und nicht Trump mit seiner ersten Amtshandlung – habe die Modernisierung des existierenden Bestandes angestoßen. Seit dem Ende des Kalten Krieges hätten die USA und Russland zudem ihre Atomwaffen den bilateralen Verträgen folgend, reduziert. Diese Prahlerei Trumps, verbunden mit dem „Feuer, Wut und Macht“-Satz, hat neben der internationalen Kritik auch für Unverständnis in der eigenen Partei gesorgt. Senator John McCain, ohnehin kein Fan des Präsidenten, nannte die Aussagen „provokativ“ und fügte an: Er wisse nicht, wovon Trump rede.

Kommentar von Andreas Herholz: Besser Schweigen
Wenn er doch nur geschwiegen hätte. Oder hätte er zumindest die Sprache der Diplomatie gewählt. Stattdessen Säbelrasseln und martialische Kriegsrhetorik. Wer noch Restzweifel hatte, dass Donald Trump unberechenbar ist, dem hat der amerikanische Präsident jetzt auch diese genommen. Der mächtigste Mann der Welt zündelt, wo gerade Besonnenheit angeraten wäre. Der Diktator von Pjöngjang jedenfalls kann sein Glück gar nicht fassen. Möge es der US-Administration hoffentlich doch noch gelingen, ihren irrlichternden Präsidenten zu mäßigen.
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