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Rentenangleichung : Wahlkampfgeschenk oder überfällig?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hintergründe zur Debatte um die angekündigte Rentenangleichung bis zum Jahr 2020 in Ostdeutschland

Ostdeutschland hat bei den Renten aufgeholt, doch auch fast 25 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Rentenwerte niedriger als im Westen. Kanzlerin Merkel macht sich nun für die Ost-Rentner stark. „2020 soll die Renteneinheit erreicht sein“, sagte die Regierungschefin in einem Interview. Bis 2017 soll das Gesetz, das den Fahrplan zur vollständigen Angleichung der Rentenwerte in Ost und West festschreibt, stehen. Wird damit eine Gerechtigkeitslücke geschlossen? Oder handelt es sich um geschickte Wahlkampfhilfe für die CDU vor den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg? Antje Schroeder erklärt die Hintergründe.

Wie groß ist der Unterschied zwischen Ost- und Westrenten?

Obwohl die Rentenwerte im Osten mehrfach stärker erhöht wurden als im Westen, liegen sie immer noch deutlich unter dem West-Niveau. Für einen Entgeltpunkt aus ihren Rentenanwartschaften erhalten ostdeutsche Rentner 26,93 Euro. Im Westen ist ein Entgeltpunkt 28,61 Euro wert. Zuletzt gab es Anfang Juli eine Erhöhung für die gut 20 Millionen Rentner in Deutschland. Im Osten stiegen die Rentenwerte um 2,53 Prozent, im Westen um 1,67 Prozent.

Wieso sind die Werte noch nicht gleich?

Die Angleichung der Rentensysteme ist nicht nur extrem kompliziert, sie würde auch enorme Kosten verursachen. Nach der Wiedervereinigung waren Rentenexperten davon ausgegangen, dass sich die Rentenwerte bis spätestens Ende der 90er-Jahre angeglichen haben würden. Auch die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hatte 2009 ein einheitliches Rentensystem in Ost und West angekündigt. Entsprechend heftig fiel gestern die Kritik der Linken aus: Die Renteneinheit kommt 2020 für viele zu spät.

Stehen Ost-Rentner also schlechter da?

Nein. Zumindest gilt das für die heutigen Rentner, die noch Ansprüche aus DDR-Zeiten haben. Im Schnitt erhalten sie sogar höhere gesetzliche Renten als im Westen. Männer bekamen im Osten Ende 2013 im Schnitt 1096 Euro im Monat, 93 Euro mehr als im Westen. Frauen lagen mit einer monatlichen Rente von 755 Euro sogar wesentlich über dem West-Niveau (512 Euro). Allerdings haben viele Westdeutsche zusätzlich Ansprüche auf Betriebsrenten oder private Zusatzverträge.

Ein Grund für das bessere Abschneiden der Ost-Rentner ist die längere Lebensarbeitszeit, auch waren weitaus mehr Frauen berufstätig als im Westen.

„Die Diskussion läuft schief“, sagte Rentenexperte Bernd Raffelhüschen, gegenüber unserer Redaktion. Politiker hätten nach der Wende „Geschenke verteilt“. Für die Gegenwart seien die Ostdeutschen mit niedrigeren Rentenwerten aber benachteiligt.

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