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Debatte : Wählerfang mit Kind an der Brust

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Aus der Onlineredaktion

Frauke Petry von der AfD geriet für ihr Wahlplakat mit Sohn Ferdinand in die Kritik. Doch auch andere Politiker inszenierten ihre Kinder

von
erstellt am 26.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Darf man das oder ist das unmoralisch? Die Debatte um ein Wahlplakat, das AfD-Chefin Frauke Petry mit ihrem zwei Monate alten Sohn Ferdinand zeigt, kocht derzeit bundesweit. Und auch in unseren sozialen Netzwerken wird heftig diskutiert. Peggy Thiel aus Schwerin schreibt beispielsweise auf unserer Facebookseite: „Wo ist das Problem? Andere Parteien machen das auch. Die AfD ist eine zugelassene Partei und ich finde diese Hetze gegen diese undemokratisch und von den Medien einfach nur ekelhaft...“

Dass Kinder von Wahlplakaten lächeln – und im besten Fall den Wähler von der Familienfreundlichkeit des jeweiligen Politikers überzeugen – ist sicherlich keine Erfindung der AfD. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff warb etwa als CDU-Politiker im Landtagswahlkampf in Niedersachsen 1996 mit seiner damals zweijährigen Tochter. Der Berliner Bundestagsabgeordnete Kai Wegner ließ sich gleich zweimal mit seiner Frau und seinem Sohn für ein CDU-Wahlplakat ablichten. 2009 und 2013 präsentierten sie sich öffentlich als harmonische Familie. Seit 2015 sind Wegner und seine Frau übrigens getrennt. Er verließ sie für eine Jüngere.

Auch wenn Politiker ihren Nachwuchs nicht gleich für ein Wahlplakat ablichten lassen, werden Kinder oft genug für die eigene politische Karriere instrumentalisiert. Oder wie lässt es sich verstehen, dass Ursula von der Leyen (CDU) 2005 als Familienministerin immer wieder in Homestorys ihren Ehemann und die sieben Kinder mitsamt Ponys und Ziegen auftreten ließ?

Gerade keine (offizielle) Wahlwerbung wollte Cécile Bonnet-Weidhofer, frühere Spitzenkanditatin der Landes FDP, mit ihrem Stillfoto machen. Das Bild zeigt sie 2016 milde lächelnd mit ihrem damals drei Monate alten Sohn Theo an der Brust. Entstanden sei das Motiv bei einem Fotoshooting für eine FDP-Wahlkampfkampagne. Es war aber nie Teil derer, beteuerte Bonnet-Weidhofer – und postete das Foto munter via Facebook und Instagram mit dem Kommentar: „Wie wäre es mal mit einer Landesmutter für MV?“ Genutzt hat es wenig. Die FDP schaffte 2016 nicht mehr den Einzug in den Landtag in Schwerin.

Eine Landesmutter hat MV allerdings mittlerweile – und auch diese geriet auf unserer Facebookseite in die Kritik, dass sie sich inszeniere. User diskutieren, ob die Pressefotos, die Manuela Schwesig (SPD) und ihre Familie nach ihrer Vereidigung als Ministerpräsidentin Anfang des Monats zeigen, nicht auch unmoralisch seien.

Marco Martens merkt hierzu auf Facebook an: „Stimmt, das Bild von Frau Schwesig sieht echt so aus, als wäre das durch Zufall entstanden. Wer geht denn nicht so mit seiner Familie durch die Stadt.“ Salim Hemeed weist dagegen darauf hin, dass Schwesig das Bild nicht selbst veröffentlicht habe: „Ist halt irgendwie ein Unterschied, ob ich mein Neugeborenes für ‘ne bundesweite Fotokampagne benutze und auf dessen Persönlichkeitsrechte schexxx, indem ich es instrumentalisiere, um Wählerstimmen zu gewinnen, oder ob irgendein Journalist n‘ Foto von mir und meiner Familie macht und das dann in der Lokalpresse abgedruckt wird.“ Ob und inwieweit die eigenen Kinder für die politische Karriere in der Öffentlichkeit gezeigt werden, bleibt letztlich Entscheidung der Eltern – Diskussionsbedarf wird es weiter geben.

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