Watergate, Wikileaks und Co. : Von Ellsberg zu Snowden – die wichtigsten Whistleblower

Von Regierungen gejagt, von der Öffentlichkeit verehrt: Whistleblower setzen ihr Leben dafür ein, die Wahrheit aufzudecken. Die EU will sie besser schützen.

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23. April 2018, 21:54 Uhr

Sie setzen alles aufs Spiel, nur um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Whistleblower müssen oft mit starkem Gegenwind rechnen. Die EU-Kommission will sie zukünftig besser schützen. „Viele vergangene Skandale wären nie ans Licht gekommen, wenn Insider nicht den Mut gehabt hätten, ihre Stimme zu erheben“, sagte der Vize-Präsident der EU-Kommission, Frans Timmermans am Montag in Brüssel.

Wir haben eine Auswahl der bekanntesten Whistleblower zusammengestellt:

Edward Snowden
Imago/Kyodo News
 

Edward Snowden

Er ist wohl der bekannteste Whistleblower der Gegenwart: 2013 übergab der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter vertrauliche Unterlagen an Journalisten, die aufzeigen, wie amerikanische und britische Geheimdienste andere Staaten und Regierungen weltweit ausspionierten. Im Zuge der NSA-Affäre erwirkte das FBI einen Haftbefehl gegen Snowden, weswegen er seit 2013 im Exil in Russland lebt. Bei einer Rückkehr in die USA würden ihm bis zu 30 Jahre Haft drohen.

Chelsea Manning
Imago/Future Image
 

Chelsea Manning

Chelsea Manning, die zu der Zeit noch Bradley hieß, spielte 2010 der Enthüllungsplattform Wikileaks Hunderttausende diplomatische Dokumente verschiedener US-Behörden zu. Manning war 2009 als Soldat im Irak stationiert, wo sie Zugang zu geheimen Unterlagen hatte. In den Dokumenten finden sich Beweise für die Ermordung irakischer Zivilisten und Journalisten durch die US-Armee. Mehrere hundert Fälle von Folter wurden aufgedeckt.

Chelsea Manning wurde 2013 zu 35 Jahren Haft verurteilt. Barack Obama begnadigte die Whistleblowerin, sie wurde im Mai 2017 entlassen. Manning plant, als demokratische Kandidatin für den US-Senat zu kandidieren.

Mark Felt
Imago/Zuma Press
 

William Mark Felt

Der FBI-Agent hütete sein Geheimnis über viele Jahre: Erst 2005 outete sich William Mark Felt als „Deep Throat“, der wichtigsten Quelle der Watergate-Affäre. Felt gab den Reportern der „Washington Post“, Bob Woodward und Carl Bernstein, 1972 Informationen über den von Mitarbeitern des Präsidenten verübten Einbruch in die Watergate-Gebäude, in denen sich das Hauptquartier der Demokratischen Partei befand. Im Zuge der Ermittlungen wurden verschiedene Machtmissbräuche der Regierung Nixon aufgedeckt, die am Ende zum einzigen Rücktritt eines Präsidenten in der Geschichte der USA führten.

Daniel Ellsberg
Imago/Future Image
 

Daniel Ellsberg

Eng mit der Watergate-Affäre verbunden ist die Geschichte von Daniel Ellsberg. Der Pentagon-Mitarbeiter kopierte etwa 7000 Seiten an geheimen Dokumenten zum Vietnamkrieg und  gab diese 1971 an die „Washington Post“ und „New York Times“ weiter. Die Papiere belegten, dass die Öffentlichkeit von der Regierung über den Vietnamkrieg belogen worden war. Ellsberg setzt sich noch heute für andere Whistleblower ein.

"John Doe"

Die Panama Papers sorgten 2016 für einen ähnlich großen Aufschrei wie die NSA-Affäre drei Jahre zuvor. Der „Süddeutschen Zeitung“ waren 2,6 Terabyte an Daten einer panamaischen Kanzlei zugespielt worden. Diese hatte vermögenden Kunden dabei geholfen, durch Briefkastenfirmen schmutzige Geschäfte zu verschleiern. In den Unterlagen fanden sich die Namen von prominenten Politikern und Sportlern.

Laut eigenen Angaben fürchtet die Quelle um ihr Leben. Die veröffentlichten Daten führten unter anderem zum Rücktritt des isländischen Ministerpräsidenten und in verschiedenen Ländern zu Ermittlungen. Der Whistleblower schafft es bis heute, anonym zu bleiben.

Martin Porwoll
Imago/biky
 

Martin Porwoll

Er hat durch seinen Mut wahrscheinlich viele Leben gerettet, doch seine eigene Existenz ist in den vergangenen Jahren komplett ins Wanken geraten: Martin Porwoll war kaufmännischer Leiter einer Bottroper Apotheke – bis zu seiner Kündigung. Die sprach sein Chef und ehemaliger Schulkamerad aus, nachdem Porwoll den Apotheker wegen gepanschter Krebsmedikamente angezeigt hatte. Der Fall erschütterte im vergangenen Jahr das ganze Land. Der Apotheker Peter S. soll in 60.000 Fällen gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen haben, indem er verschiedene Krebsmedikamente verdünnt haben soll. Der Fall wird gerade vor dem Landgericht Essen verhandelt.

Martin Porwoll bekam im vergangenen Jahr den deutschen „Whistleblower Preis“. Auch die Kündigung musste inzwischen zurückgenommen werden. „Ich würde das immer wieder so tun“, sagte Porwoll kürzlich.

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