AOK-Fehlzeitenreport : Volkskrankheit Burnout?

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Hintergründe zum AOK-Fehlzeitenreport über die Zunahme psychischer Krankheiten und Auswirkungen von Lebenskrisen

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15. September 2017, 11:40 Uhr

Arbeitsausfälle durch psychische Krankheiten haben in den vergangenen zehn Jahren dramatisch zugenommen. Inzwischen sind sie der häufigste Grund für Ausfallzeiten, wie aus dem „Fehlzeitenreport“ der AOK Gesundheit hervorgeht, der gestern in Berlin präsentiert wurde. Wo liegen die Ursachen? Was können Politik und Betriebe tun, um gegenzusteuern? Tobias Schmidt beleuchtet die Hintergründe.

Leiden heute mehr Menschen unter psychischen Problemen als früher?
Eindeutig ja. Die Zahl von Depressionen, Burnouts, aber auch schweren schizoiden Krankheiten nimmt stark zu. Das liegt nur zum Teil daran, dass Ärzte besser diagnostizieren und die Menschen wegen psychischer Probleme schneller den Arzt aufsuchen. Immer mehr Menschen sind suizidgefährdet.

Macht der Stress im Job immer häufiger krank?
Die Gewerkschaften beklagen seit Jahren eine wachsende Belastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Stress, Überstunden und unregelmäßigere Arbeitszeiten. Allerdings gibt es andere Gründe: Der Zerfall von Familienstrukturen spielt aus Sicht von Gesundheitsforschern eine mindestens ebenso große Rolle. Menschen, die alleine leben, haben ein deutlich höheres Risiko, psychisch krank zu werden.

Wie stark beeinflussen Lebenskrisen den Job?
Wie das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) herausfand, war etwa die Hälfte der 2000 befragten Beschäftigten in den vergangenen fünf Jahren von einem kritischen Lebensereignis betroffen. „Die Folgen sind für Beschäftigte und Arbeitgeber gravierend“, erklärte Wido-Vizegeschäftsführer Helmut Schröder gestern bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Ganz vorne auf der Liste stehen schwere Erkrankungen in der Familie und Konflikte im privaten Umfeld (je 14 Prozent), gefolgt von der Trennung vom Partner oder Ehescheidung (13 Prozent). Streit oder Mobbing am Arbeitsplatz waren für neun von hundert Befragten der Grund für eine Lebenskrise. Arbeitnehmer über 50 Jahre sind doppelt so häufig von Krisen betroffen (65 Prozent) wie jüngere Arbeitnehmer bis 30 Jahre (37 Prozent). Krankheit, Altern oder der Tod eines Partners sind die wichtigsten Gründe.

Wie gehen die Unternehmen damit um?
In größeren Unternehmen gibt es ein breites Angebot, neben Kollegen sind Vorgesetzte für die Hälfte der Betroffenen wichtige Gesprächspartner. Möglichkeiten zu kürzeren Arbeitszeiten oder unbezahltem Urlaub werden intensiv genutzt. Jeder fünfte Betroffene gab indes an, keine betriebliche Unterstützung erhalten zu haben. In Kleinstbetrieben, wo 20 Prozent aller Arbeitnehmer beschäftigt sind, gibt es weniger Chancen, auf Krisen einzugehen.

Wo kann die Hilfe bei Krisen und psychischen Krankheiten verbessert werden?
Die AOK fordert, dass sich Unternehmen stärker mit den älter werdenden Belegschaften und den damit häufigeren Krisen der Mitarbeiter auseinandersetzen. In Kleinstbetrieben müssten Führungskräfte stärker für die Rolle als Unterstützer und Vermittler befähigt werden, erklärte Wido-Vize Schröder. Zudem regte er den Aufbau von Netzwerken mit anderen Unternehmen an, um Unterstützung geben zu können.

Fehlzeiten wegen Krankheiten
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