Erneut Blutbad an US-Schule : Video: 17 Tote nach Schüssen an Schule in Florida

Eine Familie fällt sich wiedervereint in die Arme, nachdem an der Marjory Stoneman Douglas High School tödliche Schüsse gefallen sind.
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Eine Familie fällt sich wiedervereint in die Arme, nachdem an der Marjory Stoneman Douglas High School tödliche Schüsse gefallen sind.

Ein 19 Jähriger schießt an einer High School in Florida um sich. 17 Menschen sterben, darunter auch Schüler. Der Täter ist gefasst.

svz.de von
15. Februar 2018, 07:34 Uhr

Der Valentinstag ist an den Schulen der USA ein Tag, an dem es besonders nett zugeht in den Klassenräumen. Viele Schüler bringen für ihre Kollegen kleine Geschenke mit, manche Lehrer organisieren kleine Feiern. In Parkland im Bundesstaat Florida bringt ein 19-Jähriger an diesem 14. Februar eine halbautomatische Waffe mit in die Marjory Stoneman Douglas High School - und jede Menge Munition. Er erschießt 17 Menschen und verletzt Dutzende weitere.

Entsetzliche Szenen spielen sich ab. Polizei, Ärzte und Politiker sind fassungslos. Prominente fordern über soziale Medien ein schärferes Waffengesetz.

Nach Krankenhausangaben wurden am späten Mittwochabend (Ortszeit) noch 14 Menschen stationär behandelt, drei von ihnen seien im kritischen Zustand. Von den Todesopfern seien bislang ein Dutzend identifiziert, erklärte Sheriff Scott Israel. Der Schütze, zunächst ebenfalls im Hospital, wurde festgenommen und abgeführt. Er habe keinen Widerstand geleistet. In sozialen Netzwerken machten Bilder die Runde, auf denen ein Mann zu sehen ist, der von Polizisten in Handschellen weggebracht wird.

Der Schütze - laut Beschreibungen von Schülern ein Einzelgänger mit Faible für Schusswaffen und Messer - soll einen Feueralarm ausgelöst haben, wie Senators Bill Nelson erklärte. Unter einer Gasmaske geschützt, habe er Rauchbomben gezündet und dann das Feuer auf die fliehenden Schüler und Lehrer eröffnet.

 

129 Lehrer unterrichten an der Schule mehr als 3000 Schülerinnen und Schüler von der 9. bis zur 12. Jahrgangsstufe. Der Schütze war keiner mehr von ihnen - er war schon zuvor aus Disziplinargründen von der Schule geflogen, wie Sheriff Israel berichtete. Ob dieser Ausschluss ein Motiv für die Tat war, müssen erst die Vernehmungen ergeben. Ein Lehrer sagte am Mittwoch, der Mann habe schon vor seinem Rauswurf nicht mehr mit einem Rucksack auf den Campus kommen dürfen.

Viele Schüler lieferten verzweifelte Berichte ab. Sie schilderten, wie sie an Leichen und Blutlachen vorbei die Schule verlassen mussten, wie sie sich in Abstellräumen und Spinden oder unter Schulbänken verbarrikadierten. Einige schrieben ihren Eltern via Handy stumme Hilfeschreie: „Was soll ich tun, wo soll ich hin?“

Schüler bringen sich in Sicherheit, nachdem an der Marjory Stoneman Douglas High School Schüsse gefallen sind.  /South Florida Sun-Sentinel/AP
John Mccall
Schüler bringen sich in Sicherheit, nachdem an der Marjory Stoneman Douglas High School Schüsse gefallen sind.  /South Florida Sun-Sentinel/AP

Der Täter habe große Mengen Munition bei sich gehabt. Nach Medienberichten benutzte er eine halbautomatische Waffe des Typs AR-15 - oder einen Nachbau dieses Modells. Diese Waffe wurde auch bei anderen aufsehenerregenden Bluttaten benutzt - etwa im vergangenen Jahr in Las Vegas, als bei einem Massaker 59 Menschen starben.

Bei Prominenten wie Popstar Britney Spears und Schauspielerin Reese Witherspoon löste die Tat Entsetzen und Fassungslosigkeit aus. Es hagelte aber auch Kritik an der Politik. „Drei der zehn schlimmsten Massenschießereien in der US-Geschichte haben sich in Ihrem ersten Jahr ereignet, Herr Präsident. Was werden Sie dagegen unternehmen?“, twitterte der britische TV-Moderator und Journalist Piers Morgan.

Sängerin und Schauspielerin Bette Midler wurde noch deutlicher - in Richtung US-Kongress, der von Trumps Republikanern beherrscht wird.„Herzlichen Glückwunsch an die rückgratlosen Feiglinge, die nichts tun, um uns zu helfen, diese schreckliche Epidemie einzudämmen“, schrieb die 72-Jährige auf Twitter.

Die Schüsse von Florida haben in den USA auch hartgesottene Profis mitgenommen. Philipp Mudd, Terrorexperte des Fernsehsenders CNN, brach vor laufenden Kameras in Tränen aus. „Können wir in diesem Land nicht endlich anerkennen, dass wir das nicht akzeptieren können?“ Anschließend brach er das Gespräch ab.

Der demokratische Senator Chris Murphy aus Connecticut ging mit der politischen Klasse hart ins Gericht. „Das passiert nirgendwo sonst, außer in den Vereinigten Staaten“, sagte er. Murphy sprach von einer

„Epidemie von Massentötungen“. „Das passiert nicht durch Zufall, nicht durch Unglück, sondern als Konsequenz aus unserer Untätigkeit“, betonte er.

Die US-Demokraten fordern seit langer Zeit schärfere Waffengesetze, um die Vielzahl der schweren Straftaten mit Toten und Verletzen einzudämmen. Allein im laufenden Jahr ereigneten sich in den USA nach Murphys Darstellung bereits 19 Vorkommnisse mit Schusswaffen an Schulen. Die konservativen Republikaner und die Waffenlobby wollen jedoch keinesfalls Einschnitte beim Recht auf Selbstverteidigung auch mit Schusswaffen in Kauf nehmen.

US-Präsident Donald Trump, ebenfalls ein Befürworter des freien Zugangs zu Schusswaffen, ließ sich nach Angaben des Weißen Hauses über die Lage in Florida unterrichten. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Betroffenen“, hieß es in einer Stellungnahme. Das Weiße Haus sagte wegen der Entwicklung in Florida die täglich stattfindende Pressekonferenz mit Regierungssprecherin Sarah Sanders ab.

Hintergrund: Massaker von Einzelschützen in den USA

Erneut hat ein Todesschütze an einer Schule in den USA sein Unwesen getrieben. Die Tat reiht sich ein in die Liste schlimmer Massaker in den USA. Ein Auswahl tödlicher Vorkommnisse in den vergangenen Jahren:

Parkland (Florida), Februar 2018

Ein 19 Jahre alter Mann löst in seiner ehemaligen High School einen Feueralarm aus, anschließend schießt er auf die fliehenden Schüler und Lehrer. 17 Menschen sterben, Dutzende werden verletzt. Der Schütze selbst wird festgenommen.

Las Vegas (Nevada), Oktober 2017

Der 64-jährige Stephen Paddock eröffnet aus dem 32. Stock eines Hotels das Feuer auf gut 20 000 Gäste eines gegenüberliegenden Festivals. Er tötet 58 Menschen. Mehr als 500 weitere werden verletzt. Der Täter erschießt sich selbst. Es ist der schlimmste Massenmord in der jüngeren Geschichte der USA. Das Motiv ist nach wie vor unklar.

Orlando (Florida), Juni 2016

Der 29-jährige Omar Mateen erschießt 49 Besucher eines Nachtclubs, der bei Homosexuellen beliebt ist.

Spezialeinheiten töten ihn bei der Erstürmung des Clubs. Der Attentäter, US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte sich zuvor zur Terrormiliz Islamischer Staat bekannt. Seine beiden Waffen, eine Pistole und ein Gewehr, hatte er legal erworben.

Newtown (Connecticut), Dezember 2012

Adam Lanza, ein 20-Jähriger mit schweren psychischen Problemen, erschießt zunächst seine Mutter und begibt sich dann in seine ehemalige Grundschule, die Sandy Hook Elementary School. Dort ermordet er 20 Schulkinder und sechs Lehrer.

Anschließend tötet er sich selbst. Vor seiner Tat hatte er sein Zimmer drei Monate lang nicht verlassen. Mit seiner Mutter hatte er per Mail kommuniziert. Lanza hegte seit seiner Kindheit Gewaltfantasien. Für die Tat nutzte er legal erworbene Gewehre seiner Mutter.

Blacksburg (Virginia), April 2007

Der 23-jährige Südkoreaner Cho Seung-Hui erschießt zunächst zwei Studenten in einem Wohnheim und verletzt mehrere schwer. Anschließend verschickt er von einer Postfiliale aus eine DVD mit Bekenner-Videos und Fotos an den Fernsehsender NBC. Etwa zwei Stunden später verriegelt er die Türen eines anderen Uni-Gebäudes mit Ketten, damit niemand fliehen kann.

Dann beginnt er, auf weitere Studenten und Lehrkräfte zu schießen. Insgesamt ermordet er 32 Menschen. Anschließend tötet er sich selbst. Der Täter lebte als Englischstudent in den USA. Obwohl er in psychiatrischer Behandlung war, konnte er die Tatwaffen legal erwerben.

Killeen (Texas), Oktober 1991

Der 35-jährige George Hennard fährt mit seinem Pick-up durch die Glasscheibe eines Restaurants. Dann beginnt er, mit zwei Pistolen auf die Gäste zu schießen. Innerhalb weniger Minuten tötet er 22 Menschen. Nachdem die Polizei eintrifft, zieht sich der Täter schwer verletzt in die Toilettenräume zurück und erschießt sich. Er war ein arbeitsloser Matrose der Handelsmarine und galt als verbittert.

San Ysidro (Kalifornien), Juli 1984

Bewaffnet mit einer Pistole, einem Gewehr und einer Uzi-Maschinenpistole betritt der 41-jährige James Huberty ein Schnellrestaurant. Dann erschießt er 21 Menschen.

Vom Restaurant aus feuert er eine Stunde lang auf die Polizei. Ein Scharfschütze einer Spezialeinheit kann ihn schließlich erschießen.

Seine Frau berichtete später, Huberty habe schwere psychische Probleme gehabt.

 
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