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Verschwundene Flüchtlingskinder : „Verschleppt und versklavt“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kinderschutzbund-Präsident über Tausende verschwundene Flüchtlingskinder

von
erstellt am 11.Apr.2016 | 21:00 Uhr

In Deutschland sind im Vorjahr laut Bundesinnenministerium 5835 minderjährige Flüchtlinge verschwunden. Mit Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, sprach Andreas Herholz.

<p>Heinz Hilgers</p>

Heinz Hilgers

 

Was wissen Sie über die Hintergründe der Entwicklung?
Hilgers: In Deutschland sollen es 6000 sein, in ganz Europa 10    000. Von diesen Zahlen geht auch Europol aus. Es kann aber durchaus in dem Chaos der Flüchtlingskrise im letzten halben Jahr zu Mehrfacherfassungen und Fehlern in der Statistik gekommen sein. Natürlich gibt es auch Kinder, die in Obhut genommen worden und wieder abgehauen sind, etwa, weil sie zu ihren Eltern wollen. Die Kinder haben eine Wegstrecke von Tausenden Kilometern hinter sich, die voller Gefahren war. Mir ist ein zwölfjähriges Mädchen mit ihrer zweijährigen Schwester begegnet, das aus Syrien geflüchtet war, nachdem ihre Eltern bei einem Bombenangriff getötet worden sind. Sie haben sich auf den Weg gemacht, sich in einem Lastwagen versteckt und sind halb verhungert und dehydriert nach Deutschland gekommen. Sie hatten noch großes Glück. Das sind dramatische Schicksale. Da ist zu befürchten, dass viele der verschwundenen Kinder ausgebeutet und zur Prostitution gezwungen werden. Europol berichtet, dass sich an den Ausfallstraßen von Rom etwa immer mehr minderjährige Kinder anbieten, die man verschleppt und versklavt hat.

Was muss geschehen?
Die Bundesregierung hätte von Beginn der Flüchtlingskrise an Kompetenzzentren für die Aufnahme von minderjährigen Kindern einrichten müssen. Da braucht es pädagogische Hilfen für Trauma-Geschädigte und die Förderung von Sprachkompetenz. Die Familienzusammenführung muss dringend besser geregelt werden. Dass der Familiennachzug jetzt stark eingeschränkt wird, ist ein großes Problem. Aber auch in Deutschland werden Familien gegen geltendes Recht nicht immer zusammengelassen. Da werden Kinder in Süddeutschland in Obhut genommen und die Eltern nach Norddeutschland in eine andere Stadt zugewiesen. Da schlägt die Bürokratie zu. Dann müssen sie damit rechnen, dass sich Kinder auf den Weg zu ihren Eltern machen.

Wie kann man den vermissten Kindern und ihren Familien helfen?
Das Deutsche Rote Kreuz hat bereits einen Suchdienst eingerichtet. Die Bundesregierung sollte diesen jetzt finanziell und über die Bundesbehörden unterstützen.
 

 

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