Kriminalitätsstatistik : Verrohung der Gesellschaft

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Innenminister: Zunahme von Gewalt „besorgniserregend“. Hintergründe zur neuen Kriminalitätsstatistik

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24. April 2017, 21:00 Uhr

„Viel Licht und viel Schatten“ zeige die Polizeiliche Kriminalstatistik 2016, erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gestern bei der Vorstellung der Zahlen. Hintergründe zur neuen Polizeistatistik von Rasmus Buchsteiner.

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Wie hat sich die Kriminalität entwickelt?
Im vergangenen Jahr sind 6,37 Millionen Straftaten registriert worden – 0,7 Prozent mehr als 2015. Rechnet man Verstöße gegen das Ausländerrecht wie die unerlaubte Einreise heraus, waren es 5,92 Millionen Delikte – ein Rückgang um 0,7 Prozent. Die Aufklärungsquote lag bei 54 Prozent.

Wie unterscheidet sich die Kriminalität nach Bundesländern?
Berlin ist Deutschlands Kriminalitätshauptstadt – mit an die 15 700 Straftaten pro 100 000 Einwohnern, in Bayern sind es 4785, in Mecklenburg-Vorpommern 7165, in Niedersachsen 6961 und in Nordrhein-Westfalen 8097.

Wie kriminell sind Flüchtlinge?
Die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer, worunter in der Statistik Flüchtlinge und Asylbewerber gezählt werden, ist im vergangenen Jahr um 52,7 Prozent gegenüber 2015 gestiegen: auf 174 438. „Da gibt es nicht zu beschönigen“, erklärte Innenminister de Maizière. Bei Taschendiebstahl ist jeder dritte der rund zwei Millionen Tatverdächtigen ein Zuwanderer. Bei Wohnungseinbrüchen beträgt der Anteil 11,3 Prozent, bei gefährlicher Körperverletzung sowie Vergewaltigung und sexueller Nötigung sind es jeweils 14,9 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil der Flüchtlinge und Asylbewerber an der Bevölkerung beträgt zwei Prozent. Laut Bundesinnenminister de Maizière sind wirklich schutzbedürftige Flüchtlinge wie Syrer nicht das Problem. Sorgen bereiten vor allem jugendliche Intensivtäter mit nordafrikanischen Wurzeln.

Welche Trends gibt es bei Gewaltdelikten?
„Besorgniserregend ist die Verrohung unserer Gesellschaft und deren Folgen“, stellt Innenminister de Maizière fest. Die Gewaltkriminalität sei – abgesehen von Raub – gestiegen. So hat es im vergangenen Jahr 2418 Fälle von Mord und Totschlag gegeben – ein Plus von 14,3 Prozent. Die Statistik weist zudem 7919 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung aus – 12,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch der Tatbestand der Körperverletzung nahm zu, um 8,1 Prozent auf 406 038 Delikte. Zudem wurden Polizeibeamte in knapp eine Million Fällen Opfer von Straftaten.

Wird in Deutschland seltener eingebrochen?
Ja. Im vergangenen Jahr ist 151 265 Mal in Wohnungen eingebrochen worden. Das entspricht einem Rückgang um 9,5 Prozent. Allerdings: 2015 hatte es so so viele Einbrüche gegeben wie seit den 90er-Jahren nicht mehr. 2016 lag die Zahl dann wieder auf dem Niveau von 2014. Nur knapp 17 Prozent aller Einbrüche werden aufgeklärt.
Wenige Einbrecher in MV unterwegs

Wohnungseinbrecher suchen Mecklenburg-Vorpommern vergleichsweise selten heim. Im vergangenen Jahr kamen 92 Einbrüche auf 100 000 Einwohner, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft gestern in Berlin mitteilte. Weniger Einbrüche, bezogen auf die Bevölkerungszahl, gab es demnach nur in Thüringen (65) und Bayern (58). Am höchsten ist das Einbruchsrisiko in den Großstädten Bremen (459), Hamburg (420) und Berlin (327), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (294), Schleswig-Holstein (270) und Niedersachsen (207).

Bundesweit ging die Belastung durch Wohnungseinbrecher um 10 Prozent zurück, in Mecklenburg-Vorpommern lediglich um 4 Prozent. Thüringen konnte diese Art der Kriminalität um 5 Prozent zurückdrängen, während Sachsen und Sachsen-Anhalt einen Anstieg um je 9 Prozent verzeichneten. Die deutschen Hausratversicherer mussten den Angaben zufolge 2016 bundesweit rund 470 Millionen Euro für die Schadensregulierung nach Wohnungseinbrüchen aufwenden. Trotz sinkender Einbruchzahlen seien die Menschen alarmiert, hieß es. Jeder Dritte habe Angst, Opfer eines Einbruchs zu werden.

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