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Renten im Osten steigen um 3,6 Prozent : Überraschung für Senioren

vom
Aus der Onlineredaktion

Renten sollen um 1,9 (West) und 3,6 Prozent (Ost) steigen. Fragen und Antworten zur Erhöhung 2017

von
erstellt am 22.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Nach der Rekord-Rentenerhöhung 2016 fällt das Plus in diesem Jahr deutlich geringer aus: Für Rentner in den alten Bundesländern gibt es ab Juli 1,9 Prozent mehr, in den neuen Ländern sind es 3,59 Prozent. „Für über 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner steigen auch dieses Jahr die Renten spürbar“, erklärte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gestern. „Gute Löhne und ein hoher Beschäftigungsstand sorgen weiter für eine stabile Finanzlage der gesetzlichen Rentenversicherung.“ Hintergründe zur Rentenerhöhung 2017.

Warum steigen die Renten in diesem Jahr nicht so stark wie 2016?
Rentenerhöhungen hängen insbesondere von der Lohnentwicklung im Vorjahr ab. In die Berechnung gehen aber auch das zahlenmäßige Verhältnis von Rentnern zu Beitragszahlern sowie die Entwicklung des Beitragssatzes ein. Das hohe Rentenplus im vergangenen Jahr war unter anderem auch auf einem statistischen Einmaleffekt zurückzuführen.

Warum steigen die Ost-Renten deutlich stärker?
Die Erklärung ist allein, dass die Löhne im Osten im vergangenen Jahr stärker gestiegen sind – um 3,74 Prozent gegenüber 2,06 Prozent im Westen. Das Rentenplus wird durch den Nachhaltigkeitsfaktor, der das zahlenmäßige Verhältnis von Rentnern zu Beitragszahlern berücksichtigt, noch um 0,14 Prozent gedämpft. Allerdings wirkt dieser in Ost wie West gleichermaßen.

Wie wirkt sich die Erhöhung im Einzelnen aus?
Eine monatliche Rente von 1000 Euro, die ausschließlich auf West-Beiträgen beruht, erhöht sich durch die Rentenanpassung 2017 um 19 Euro, eine gleich hohe Rente mit Ost-Beiträgen um 35,90 Euro.

Bleibt den Rentnern unterm Strich mehr Geld in der Tasche?
Brutto ist nicht gleich netto. Auch Rentner müssen Sozialabgaben zahlen, unter anderem für die Krankenversicherung. Für die Pflegeversicherung zahlen sie sogar den vollen Beitragssatz von aktuell mindestens 2,55 Prozent. Besonders viel geht bei freiwillig Krankenversicherten sowie Privatversicherten ab. Zudem wird die Inflation wieder zum relevanten Faktor. Die Bundesbank rechnet damit, dass sie in diesem Jahr im Schnitt bei bis zu zwei Prozent liegen könnte.

Und was ist mit der Besteuerung der Rente?
Laut Bundesfinanzministerium müssen in Folge der Rentenerhöhung rund 160 000 ältere Menschen erstmals im nächsten Jahr mit der Steuererklärung für 2016 Einkommensteuer auf ihre Altersbezüge zahlen. Insgesamt wären damit 4,4 Millionen Rentner steuerpflichtig. Wie groß der Anteil ihrer Altersbezüge ist, der versteuert werden muss, hängt vom Renteneintrittsjahr ab. Unabhängig davon gilt: Jede Rentenerhöhung wird zu 100 Prozent versteuert.

Wie sind die Aussichten für Rentenerhöhungen in den kommenden Jahren?
In ihrem Rentenversicherungsbericht hatte die Bundesregierung 2016 vorhergesagt, dass die Renten bis 2030 um circa 35 Prozent steigen werden – im Schnitt um 2,1 Prozent pro Jahr. Das Rentenniveau, das die Relation von Renten zu Löhnen zum Ausdruck bringt, betrug zuletzt 48 Prozent und dürfte bis zum Jahr 2030 auf 44,5 Prozent sinken.

Wer wird die Rentenerhöhung finanziert?
Aus den laufenden Mitteln der Rentenversicherung und gegebenenfalls auch aus deren Rücklage. Der Rentenbeitrag von derzeit 18,7 Prozent werde bis mindestens 2021 stabil bleiben, hieß es.
 

Kommentar "Die Vorsorge stärken" von Rasmus Buchsteiner

Es ist eine gute Nachricht für Deutschlands Rentner. Auch in diesem Jahr können sie sich auf ein ordentliches Plus einstellen. . Dass die Rentenerhöhung im Osten deutlich höher ausfällt als im Westen, hängt vor allem mit der Mindestlohn-Einführung zusammen.

Die Horrorszenarien, die in der letzten Zeit über die Zukunft der Rente und zunehmender Altersarmut gezeichnet worden sind, werden zumindest kurzfristig nicht Wirklichkeit werden. Die Renten steigen auch in Zukunft, bis 2030 im Schnitt nach offizieller Prognose um mehr als zwei Prozent pro Jahr. Nur werden die Altersbezüge angesichts der demografischen Veränderung unserer Gesellschaft stärker hinter der Lohnentwicklung zurückbleiben als zuletzt.

Es gibt sicherlich keinen Grund, sich zurückzulehnen und die Lösung zentraler Rentenfragen in die ferne Zukunft zu vertagen. Der heutigen Rentnergeneration geht es viel besser, als es ihren Kindern je gehen wird. In Zukunft wird bei geringem Lohn selbst ein Vollzeitjob nicht mehr ausreichen, um im Alter nicht auf  Stütze angewiesen zu sein. Es gilt, private und betriebliche Vorsorge zu stärken und einen künftigen Absturz des Rentenniveaus zu verhindern.

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