Politik : Trump und ein Krieg der Worte

US Präsident Donald Trump und sein früherer Chefstratege  Steve Bannon (r.)
US Präsident Donald Trump und sein früherer Chefstratege Steve Bannon (r.)

Brisante Aussagen seines Ex-Chefstrategen Bannon und ein Enthüllungs-Werk bringen den Präsidenten in Bedrängnis

svz.de von
04. Januar 2018, 21:00 Uhr

Es ist ein beispielloser Krieg der Worte, den US-Präsident Donald Trump und sein früherer von ihm entlassener Chefstratege Stephen Bannon derzeit öffentlich führen. Bannon attackiert die Trump-Familie in Aussagen in einem kurz vor der Veröffentlichung stehenden Buch, prophezeit Ermittlungen wegen Geldwäsche und nennt ein Treffen von Trump-Sohn Donald junior und Schwiegersohn Jared Kushner mit einer russischen Anwältin im Trump-Tower „landesverräterisch“.

Der Präsident schießt wütend zurück: Er behauptet sogar, Bannon habe den Verstand verloren – und läßt durch seine Anwälte eine Unterlassungserklärung für die Behauptungen des früheren Vertrauten fordern. Worum geht es in diesem Drama? Hier die wichtigsten Hintergründe.

Wie wichtig war Stephen Bannon für Trump, und was weiß er?
Der Präsident versucht seit Mittwoch und dem Bekanntwerden der für ihn hochnotpeinlichen Details die Rolle Bannons zu minimieren. Er sei nur ein Mitarbeiter gewesen, beteuert Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders, der „wenig mit unserem historischen Sieg zu tun hatte“ und kaum Einfluss auf die Politik Trumps gehabt habe. Doch die Realität sieht ganz anders aus: Der als rechtspopulistisch geltende Bannon war nicht nur Chefberater mit unbegrenztem Zugang zum „Oval Office“, sondern gilt auch als „Architekt“ des Wahlsiegs des Präsidenten – und saß zeitweise im Nationalen Sicherheitsrat. Bannon war eine zentrale Figur im Weißen Haus und deshalb auch über so gut wie alle Details der Arbeit Trumps informiert – was für den Präsidenten höchst gefährlich werden könnte. Auch deshalb setzte jetzt Trump seine Anwälte in Marsch – und lässt sagen, Bannon habe mit seinen Aussagen eine schriftliche Vertraulichkeitsverpflichtung verletzt.

Warum reagiert Trump so heftig?
Die Aussagen Bannons gegenüber dem prominenten Buchautor Michael Wolff („Feuer und Zorn“) haben es in sich. Denn Bannon sagt nicht nur, dass es in der Regierungszentrale chaotisch zugeht. Er deutet auch indirekt an, dass es den Versuch geheimer Absprachen des Trump-Teams mit Russland gegeben hat. Er bezieht sich dabei vor allem auf ein Treffen von Trump-Sohn Donald jr. im Juni 2016 mit einer russischen Anwältin, von der sich das Trump-Team offenbar „Schmutz“ über Hillary Clinton versprochen hatte.

Dieses Treffen war „Verrat, unpatriotisch und übler Mist“ gewesen, wird Bannon zitiert. Anwesend waren auch Trump-Schwiegersohn Jared Kushner, der den Präsidenten heute berät, und der mittlerweile von Trump gefeuerte und von Justiz-Sonderermittler Robert Mueller wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten angeklagte Wahlkampfmanager Paul Manafort. Jemand hätte angesichts dieses Treffens sofort das FBI rufen sollen, sagt Bannon. Und: Die Russen im Trump-Tower hätten wahrscheinlich auch Trump selbst getroffen.

Welche Rolle spielt das Thema Geldwäsche?
Bannon prophezeit Ermittlungen gegen Trump-Sohn Donald und Schwiegersohn Jared Kushner wegen Geldwäsche. Dabei soll die Deutsche Bank eine zentrale Rolle spielen, bei der Sonderermittler Mueller mittlerweile Unterlagen angefordert hat. Die Bank hatte Kushner mehrere hundert Millionen Dollar für Immobilen-Deals geliehen. Offenbar geht es um undurchsichtige und anrüchige Transaktionen im Trump-Imperium.

Dies hat deshalb große Bedeutung, weil Mueller versuchen dürfte, mit seinen Geldwäsche-Ermittlungen Druck auszuüben, um strafbare Erkenntnisse zum eigentlichen Kern der Untersuchungen – der Frage der Kooperation Trumps mit Moskau bei den Wahlen 2016 – zu gewinnen.

Warum hat Enthüllungsautor Wolff so Detailierte infos?
Der Autor stützt sich nicht nur auf Bannon. Das Weiße Haus gab Wolff offenbar auch weitreichend unüberwachten Zugang, so dass dieser mit engsten Mitarbeitern des Präsidenten reden konnte. Deshalb kommt es auch zu zahlreichen spektakulären Aussagen. Wie diese: Trump habe nie Präsident werden wollen, sondern mit der Kandidatur nur seine Geschäfte ankurbeln wollen. Als sein Sieg am Wahlabend feststand, sei er bleich gewesen, und seine Frau Melania habe geweint. Dies habe Donald jr. Freunden anvertraut.

Oder: Trump sei disziplinlos und realitätsfern, und seine Berater machten sich über ihn oft lustig und hielten ihn für amtsunfähig. Und: Trump-Tochter Ivanka – die Bannon als „dumm wie ein Ziegelstein“ bezeichnet – wolle eines Tages für das Präsidentenamt kandidieren, wenn sich die Möglichkeit biete.

Trumps Sprecherin wies die Behauptungen auch als „falsch und irreführend“ zurück – sie seien nicht mehr als „schmutzige Boulevard-Fiktion“.

Friedemann Diederichs ist USA-Korrespondent unserer Zeitung

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