Angriff auf Airbase : Trump holt Tomahawk raus

Das Videostandbild von „Syrian official TV“ zeigt beschädigte und ausgebrannte Flugzeughangars auf dem Luftwaffenstützpunkt.
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Das Videostandbild von „Syrian official TV“ zeigt beschädigte und ausgebrannte Flugzeughangars auf dem Luftwaffenstützpunkt.

US-Angriff in Syrien löst Krise schwere zwischen Washington und Moskau aus

svz.de von
07. April 2017, 21:00 Uhr

Mit einem Luftangriff auf Syriens Armee haben die USA ihre Politik in dem Bürgerkriegsland radikal geändert und zugleich eine schwere Krise mit Russland ausgelöst. Kremlchef Putin verurteilte das Bombardement eines Luftwaffenstützpunkts als Angriff auf die Souveränität Syriens. Präsident Baschar al-Assad nannte den Einsatz „rücksichtslos und unverantwortlich“. Bundeskanzlerin Merkel bezeichnete ihn als „nachvollziehbar“.

Trump hatte den Angriff als Reaktion auf einen mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz syrischer Truppen angeordnet. Dabei waren am 4. April nach neuesten UN-Angaben mindestens 84 Menschen ums Leben gekommen und 546 verletzt worden. Syriens Regierung weist die Verantwortung für den Giftgas-Angriff zurück und gibt, wie auch Russland, Rebellen die Schuld. Russland ist der engste Verbündete Assads.

Die US-Regierung vollzieht mit dem Angriff eine erneute Kehrtwende in der Syrien-Politik. Noch vergangene Woche hatte US-Außenminister Rex Tillerson gesagt, Assads Schicksal werde vom syrischen Volk bestimmt. Das war eine Abkehr von der Obama-Linie, die dem Präsidenten in Damaskus die Hauptverantwortung für den Konflikt in dem Bürgerkriegsland zuschob und auf seinen Sturz hinarbeitete.

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Merkel beriet gestern mit Außenminister Sigmar Gabriel und SPD-Chef Martin Schulz über die Lage. Sie betonte in Berlin, wer Chemiewaffen einsetze, begehe ein „Kriegsverbrechen“. Angesichts der Dimension der Kriegsverbrechen in Syrien und im Angesicht des Leids der Zivilbevölkerung sei der US-Angriff „nachvollziehbar“. Das Verteidigungsministerium gab an, die Bundeswehr habe nichts mit dem US-Angriff zu tun. Deutsche Tornado-Jets identifizieren in Syrien und im Irak IS-Stellungen als Angriffsziele.

Trump sagte am Rande eines Treffens mit Chinas Staatschef Xi Jinping in Florida, vom beschossenen Flugplatz sei vor wenigen Tagen der Angriff mit Giftgas auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Chan Scheichun ausgegangen. Russland kritisierte das Vorgehen scharf. „Dieser Schritt Washingtons fügt den russisch-amerikanischen Beziehungen, die sich ohnehin schon in einem elenden Zustand befinden, einen signifikanten Schaden zu“, sagte Kremlsprecher Peskow. Die syrische Armee habe keine Chemiewaffen mehr, das habe nach der Entwaffnung auch die zuständige UN-Organisation bestätigt. Russland setzte eine Vereinbarung mit dem US-Militär aus, nach der sich beide Länder über Militärflüge und Angriffe über Syrien informierten, und kündigte an, die syrische Luftabwehr zu verstärken. Der Kreml bestätigte, dass die USA Russland vorab über den Angriff informiert hatten.

Nach syrischen Armeeangaben wurden bei dem US-Angriff mindestens sechs Menschen getötet, darunter drei Militärangehörige. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, auch neun Zivilisten seien ums Leben gekommen, darunter vier Kinder. Die Angaben waren zunächst nicht unabhängig zu überprüfen.

Syriens Verbündeter Iran verurteilte den Angriff scharf. Saudi-Arabien, Erzrivale des Irans in der Region, begrüßte ihn hingegen als „mutige Entscheidung“ Trumps. Der türkische Staatspräsident Erdogan begrüßte den Angriff, der ihm jedoch nicht weit genug ginge.

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