Politik : Trump feuert Tillerson

CIA-Chef Pompeo wird neuer Außenminister. US-Präsident: Unterschiedliche politische Ansichten.

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13. März 2018, 21:00 Uhr

Der nächste Abgang: US-Präsident Donald Trump hat seinen Außenminister Rex Tillerson entlassen und den bisherigen CIA-Chef Mike Pompeo zum Nachfolger ernannt. Den Wechsel kündigte Trump gestern überraschend an. Als Grund nannte der Präsident unterschiedliche politische Ansichten. Aus dem Außenministerium hieß es, Tillerson (65) habe im Amt bleiben wollen.

Der personelle Wechsel erfolgt inmitten der wichtigen Vorbereitungen auf das Treffen zwischen Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Wenige Stunden nach Tillersons Entlassung wurde auch der Staatssekretär im Ministerium, Steve Goldstein, gefeuert.

Trump erklärte, er sei mit Tillerson seit „einiger Zeit“ im Gespräch über dessen Zukunft gewesen. „Wir hatten unterschiedliche Ansichten“, sagte der Präsident. Als ein Beispiel nannte er das Atomabkommen mit dem Iran. Er habe aus dem Deal aussteigen oder etwas anderes damit machen wollen, Tillerson sei anderer Meinung gewesen. Der Präsident fügte hinzu, Pompeo und er hätten dagegen eine sehr ähnliche Denkweise.

Im vergangenen Jahr hatte es immer wieder Spekulationen darüber gegeben, Tillerson könnte zurücktreten oder Trump könnte ihn feuern. Der gebürtige Texaner und frühere Vorsitzende des Energieriesen ExxonMobil dementierte dies aber stets. Nach einem Bericht der „Washington Post“ forderte Trump Tillerson am vergangenen Freitag zu dem Rücktritt auf. Ein ranghoher Vertreter des Weißen Hauses erklärte, der Präsident habe sicherstellen wollen, dass es vor den Gesprächen mit Nordkorea und den laufenden Verhandlungen beim Thema Handel ein neues Team gebe. Staatssekretär Steve Goldstein erklärte, Trump habe vor seiner Entscheidung nicht mit Tillerson gesprochen. „Der Minister hatte die volle Absicht, im Amt zu bleiben“, schrieb Goldstein auf Twitter. Wenige Stunden später musste auch er gehen. Er sei gefeuert worden, verlautete aus dem Weißen Haus.

Tillerson hatte mehrfach Positionen vertreten, die sich von denen Trumps unterschieden, etwa was den Konflikt mit Nordkorea angeht. Der Chefdiplomat warb stets vehement für eine diplomatische Lösung der Krise, während Trump mit militärischen Schritten drohte.

Kommentar: Wer schützt vor Trump?

Heuern und Feuern: Dass es im Weißen Haus ruppig zugeht, daran hatte man sich unter US-Präsident Donald Trump gewöhnt. Doch der Rauswurf von Rex Tillerson als Außenminister ist weit mehr als eine Personalentscheidung. Mit dem bisherigen CIA-Leiter Mike Pompeo wird ein konservativer Hardliner zum Chef des State Department befördert, der eines sicher nicht im Blut hat: Diplomatie.

Das muss nicht zwangsläufig in eine Katastrophe führen. Siehe Russland, wo Trump im Unterschied zu anderen Kräften keine Konfrontation sucht. Oder Nordkorea. Da wähnten Experten die Welt bereits am Vorabend eines Dritten Weltkriegs. Nun steht ein Treffen mit Kim Jong Un an. Zur Disposition steht auch Barack Obamas Iran-Atomabkommen. Pompeo will wie Trump den Einfluss des Teheraner Mullahregimes zurückdrängen. Das Ziel ist zumindest nicht verkehrt.

Michael Clasen

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