Interview : Trump-Biograf: Diese Geschichte hat kein gutes Ende

David Cay Johnston
David Cay Johnston

David Cay Johnston schätzt den amerikanischen Präsidenten als nicht besonders clever ein. Was war sein größter Fehler?

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17. Januar 2018, 20:45 Uhr

Es ist wie ein langer Faktencheck, der gerade wegen seiner Unaufgeregtheit so irritiert. „Trump im Amt“, das neue Buch des US-Investigativjournalisten David Cay Johnston, liegt seit diesem Dienstag auf Deutsch vor. Im Interview mit Tobias Schmidt spricht der Pulitzerpreisträger über Fehler und eine mögliche Wiederwahl des Präsidenten.

Ein Jahr Trump. In Ihrem neuen Buch schreiben Sie, es sei schlimmer gewesen als erwartet. In welcher Hinsicht?
Trump hat seinen Wählern im Wahlkampf versprochen, er würde so hart arbeiten, dass er das Weiße Haus nie verlassen würde. Tatsächlich hat er ein Drittel seiner Zeit in seinem Golfclub in Mar-a-Lago in Florida verbracht. In seinem ersten Jahr hat er schon dreimal so häufig Golf gespielt wie sein Vorgänger Barack Obama im gleichen Zeitraum. Bis jetzt stand Trump 90-mal auf dem Golfplatz. Politisch hat er nur zwei Siege vorzuweisen: Er hat einen Richter am Obersten Gerichtshof eingesetzt, der eigentlich noch von Obama hätte ernannt werden sollen. Und er hat eine Steuerreform durchgebracht, die das schlechteste Steuergesetz ist, das der Kongress jemals verabschiedet hat. Außerdem hat er das transpazifische Freihandelsabkommen TPP gekillt und damit Ostasien den Chinesen überlassen.

Trump bezeichnet sich selbst als Genie. Halten Sie ihn für psychisch stabil?
Donald ist nicht besonders clever. Wenn er etwas nicht weiß, erfindet er einfach irgendetwas. Er ist wahnhaft. Auf der einen Seite behauptet er, das beste Gedächtnis der Welt zu haben, und auf der anderen Seite sagt er, dass er sich nicht erinnern könne, bestimmte Dinge gesagt zu haben. Trump behauptet auch, der weltweit führende Experte auf zwanzig Themengebieten zu sein. Eines davon Steuern. Gleichzeitig sagt er wiederum, keine Ahnung von Buchhaltung zu haben. Sein Rechtsanwalt Jack Mitnick, der jahrelang Trumps Steuererklärungen geschrieben hat, sagt, Trump wisse gar nichts über Steuern.

 

Was war sein größter Fehler?
Trump hat unzählige Fehler gemacht – seine Unkenntnis von Politik, Wissenschaft und vom Weltgeschehen ist entsetzlich. Aber den größten Schaden hat er mit seinen rassistischen Ausfällen und seiner Faszination für autoritäre und diktatorische Regime wie in China, Ägypten, Russland, Saudi-Arabien oder den Philippinen angerichtet.

Trump hat immer wieder seine Bewunderung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert. Ist er dessen Schoßhündchen?
Amerikaner neigen dazu zu glauben, sie seien einmalig und würden die Welt regieren. Aus diesem Grund besorgt es die wenigsten, dass Trump dem Kreml-Chef huldigt wie ein Mafia-Mitglied seinem Paten.

Für wie wahrscheinlich halten Sie eine Wiederwahl Trumps 2020?
Wenn Trump bis dahin noch im Amt ist, wird er wieder kandidieren. Er wird auf keinen Fall zurücktreten. Wenn er die parteiinternen Vorwahlen oder die anschließende Hauptwahl verliert, wird er keine Ruhe geben. Das Gleiche gilt für den Fall einer Amtsenthebung. Er würde für den Rest seines Lebens Unruhe und Gewalt stiften.

Gibt es nichts, was ihn stürzen könnte?
Die Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller werden jede Menge Beweise für Geldwäsche, Steuerbetrug und Verbindungen zu Russland ans Licht bringen, die seinem Amtseid widersprechen. Muellers Untersuchungen lassen sich nicht mehr stoppen. Nicht zuletzt, weil Mueller bereits Informationen an den New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman übermittelt hat.

Könnte Trump weitere Krisen verursachen? Insbesondere mit Blick auf Nordkorea und den Iran?
Mit seiner Ignoranz und seinem Leichtsinn könnte Trump einen Krieg anfangen. Zurückhaltung liegt einfach nicht in seiner DNA. Es wird noch viel schlimmer, bevor es wieder besser wird. Diese Geschichte hat kein gutes Ende.

Gibt es auch Dinge, in denen Trump erfolgreich war, wo er etwas verbessert hat?
Erfolgreich ist er nur mit halbseidenen Geschäften. Er hat eine Kasino-Lizenz erhalten, ohne dafür qualifiziert zu sein. Den Trump Tower hat er mit Hilfe illegal eingewanderter Arbeiter aus Polen gebaut, die er jahrelang um Teile ihres mageren Lohns geprellt hat. Viermal hat Trump es geschafft, sich aus Gerichtsverfahren herauszuziehen, indem er die Jury bearbeitet hat. Immer wieder hat er Investoren seiner Fake Universität betrogen und ist davongekommen. Und er hat es geschafft, die Chase Bank in Manhattan davon zu überzeugen, ihm das Geld für seinen Golfclub in Mar-a-Lago zu leihen, ohne die Hypothek wie vorgeschrieben notariell beglaubigen zu lassen. Trotz alledem ist er nie verhaftet oder vor Gericht gestellt worden – genau wie die meisten erfolgreichen Kriminellen.
 

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