Nach der Wahl : Totgesagte leben länger

Wie sieht das Profil der AfD-Wähler aus? Woher kommen die Stimmen? Hintergründe zum Aufstieg der Alternative für Deutschland

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14. März 2016, 21:00 Uhr

Im vergangenen Sommer bereits totgesagt hat die Alternative für Deutschland massiv von der Flüchtlingskrise profitiert. Ist die AfD mehr als eine Protestpartei? Kann sie sich dauerhaft etablieren und in den Bundestag einziehen? Hintergründe zum Aufstieg der Alternative für Deutschland von Rasmus Buchsteiner:

Wie stark ist die AfD mittlerweile?

Die erst vor drei Jahren als Anti-Euro-Partei gegründete AfD verfügt über rund 20 000 Mitglieder, etwa 2000 Mitglieder hatten ihr nach dem Austritt von Parteigründer Bernd Lucke den Rücken gekehrt. Die AfD ist nach dem Wahlsonntag bereits in acht Landtagen vertreten. In Baden-Württemberg gewann sie 23 Mandate, in Rheinland-Pfalz 14, in Sachsen-Anhalt 24. Je besser die Wahlergebnisse, desto höher die staatlichen Zuschüsse – allmählich baut die AfD in den Landtagsfraktionen einen beachtlichen Mitarbeiterstab auf.

Wie sieht das Profil der AfD-Wähler aus?

Eher jung, männlich und frustriert – so lassen sich die Erkenntnisse der Demoskopen zusammenfassen. Die AfD punktet überproportional bei Arbeitern und Arbeitslosen und bei Männern jüngeren und mittleren Alters – nicht nur, aber besonders stark im Osten. Doch auch im Westen wächst der Zulauf. 81 Prozent derer, die in Baden-Württemberg ihr Kreuzchen bei der AfD gemacht haben, sind unzufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland.
Rund der Hälfte ging es darum, den etablierten Parteien „einen Denkzettel“ zu verpassen.

 

National-konservativ, rechtspopulistisch – wie lässt sich die AfD einstufen?

Petry & Co. beschreiben ihre Partei selbst als national-konservativ oder national-liberal. Den Vorwurf, die AfD sei rechtsextrem oder rechtspopulistisch, lassen sie nicht gelten. Experten sind sich uneins, wie die Partei sich am besten charakterisieren lässt. Im Osten gibt es Kontakte zur Pegida-Bewegung, in Westdeutschland hat die AfD ein eher wirtschaftsliberales Profil. Der Mainzer Parteienforscher Jürgen Falter warnt davor, die Alternative für Deutschland in die rechtsextreme Ecke zu stellen.

Mit welchen Themen will die AfD jetzt punkten?

Die Parteispitze widersprach gestern in Berlin dem Eindruck, die AfD konzentriere sich allein auf das Flüchtlingsthema. Man habe den Anspruch, Volkspartei zu werden. Die AfD werde sich auch um mehr direkte Demokratie kümmern, wolle zur „Partei des sozialen Friedens“ werden und gegen die zunehmende Spaltung in Deutschland vorgehen. Außerdem bleibe die AfD bei ihrer Kritik an der Euro-Rettungspolitik. Geht es nach dem Berliner Landesverband, soll das Thema Islamkritik stärker in den Vordergrund gerückt werden.

Kann sich die AfD dauerhaft etablieren?

Die Partei rechnet sich für die Bundestagswahl 2017 gute Chancen aus. Der Dresdener Parteienforscher Werner Patzelt geht davon aus, dass die AfD zur Volkspartei werden könne, „wenn sie sich nach innen wie nach außen dauerhaft stabilisiert“. Voraussetzung sei allerdings, dass der Flüchtlingsstrom nicht zum Ende komme und die CDU den rechten Rand sich selbst überlasse. Außerdem müsse die AfD-Führung dafür sorgen, „dass rechtsradikale und unberechenbare Mitglieder in der Partei keine herausragenden Funktionen erhalten.“

 

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