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Krebs durch Atomunfall : Tödlicher Schnee

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Crew von US-Flugzeugträger bei Fukushima-Hilfseinsatz verstrahlt

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 00:34 Uhr

Zunächst freute sich die Crew des US-Flugzeugträgers „Ronald Reagan“ über den Schnee, der am 13. März 2011 plötzlich vor der Küste Japans fiel. Matrosen begannen eine Schneeballschlacht, bis der Kapitän befahl, die weiße Pracht über Bord zu fegen. Dabei bemerkte die Besatzung eine „Wolke warmer Luft mit metallischem Geruch“. Heute wissen sie: Es war der radioaktive „Fallout“ des nahen Unglücksreaktors Fukushima, der sich während des Hilfseinsatzes für die Erdbeben- und Tsunami-Opfer über sie gesenkt hatte.

Die Folgen sind für Lindsay Cooper (24) und andere Crewmitglieder so verheerend, dass ihre Anwälte in Kalifornien eine Sammelklage gegen Reaktorbetreiber „Tepco“ einreichen wollen. Mehr als 70 Crewmitglieder leiden an Symptomen, die typisch für Strahlung sind: Vergrößerte Schilddrüsen, Sehstörungen, Blut- und Hodenkrebs.

Die Erkrankten geben neben dem radioaktiven Schnee auch dem Pazifikwasser die Schuld. „Tepco“ habe, so Anwalt Charles Bonner, Millionen Liter nuklearverseuchtes Wasser ins Meer geleitet – aber Hilfsschiffe wie die „Ronald Reagan“ nicht informiert. Manche Matrosen sprangen sogar ins Meer, um Menschen zu retten.

„Meine Gesundheit ist ruiniert,“ sagt Lindsay Cooper und spricht für viele, „ich verliere in einem Monat 30 Pfund und gewinne diese im nächsten zurück.“ Die meisten Betroffenen sind 25 oder 26 – und könnten bald Invaliden sein. Ansprüche an die US-Marine haben sie aber nicht: Der Oberste Gerichtshof urteilte bereits vor mehr als 60 Jahren, dass Militärangehörige kein Klagerecht gegen ihren Arbeitgeber und damit die USA haben. Das Pentagon dementiert zudem, die Crew sei ungeschützt gewesen: Man habe Vorkehrungen zum Schutz vor Radioaktivität getroffen, die Strahlenbelastung ständig gemessen und Medikamente für die Schilddrüse verabreicht.

Auch „Tepco“ gab bereits zu erkennen, dass man Forderungen nach Schadensersatz nicht anerkennen will. Die Firma erklärte: Die Krankheiten der Matrosen hätten nichts mit der Verstrahlung zu tun.

Eine Behauptung, die allerdings im krassen Gegensatz zum Verhalten Japans nach der Katastrophe steht: Als der US-Flugzeugträger in einem japanischen Hafen anlegen wollte, wurde dies versagt: Die radioaktive Verseuchung des Schiffes sei zu hoch.


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