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Terroranschlag : „Tickende Zeitbomben“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Alles deutet auf IS-Täter hin, sagt Rolf Tophoven / Der Terrrorexperte über die Gefahr und Nachahmungstäter in Deutschland

Mit Rolf Tophoven, Terrorexperte und Direktor des Instituts für Krisenprävention (IFUS) in Essen, sprach Andreas Herholz über den Pariser Anschlag.
Gibt es Anzeichen dafür, dass es sich um einen Terroranschlag des „Islamischen Staates“ handeln könnte?
Tophoven: Das Vorgehen der Täter mit äußerster Brutalität erinnert sehr an die Vorgehensweise der Terroristen des „Islamischen Staates“. Alles deutet auf IS-Täter hin. Das war eine regelrechte Exekution. Die Täter scheinen eine militärische Ausbildung zu haben. Hier wurde brutal und rücksichtslos gemordet. Das war ein terroristischer Sturmangriff, eine gezielt und langfristig vorbereitete Kommandoaktion.
Immer wieder Drohungen und Anschläge gegen die Presse und die Meinungsfreiheit. Ist das der Versuch, nicht nur Medien, sondern die Gesellschaft einzuschüchtern?
Das kann man sicher so sehen. Wir haben das ja bereits im Streit um die Karikaturen in Dänemark erlebt. Diejenigen, die sich kritisch mit dem Islam auseinandersetzen, sollen eingeschüchtert werden. Hier werden kritische Berichterstattung und Karikaturen über Mohammed und den Islam als Rechtfertigungen für terroristische Anschläge genommen.
Kann sich eine Gesellschaft überhaupt gegen diese Bedrohung schützen oder muss sie derartige Taten aushalten?
Ja, das muss man in einer freien und offenen Gesellschaft aushalten. Es gibt keinen absoluten Schutz gegen terroristische Anschläge. Eine liberale demokratische Gemeinschaft muss mit dieser offenen Flanke leben. In Paris war die Redaktion wohl gewarnt und hat vergeblich versucht, sich zu schützen.
Steigt die Gefahr, dass es Nachahmungstäter geben wird?
Darüber will ich nicht spekulieren. Es gibt aber rund tausend Islamisten, die aus dem Irak und Syrien wieder zurückgekehrt sind, und über militärische Ausbildung verfügen. Das sind möglicherweise tickende Zeitbomben. Das sagen auch die deutschen Sicherheitsbehörden. Die Geheimdienste haben zu wenig Personal, um diesen Personenkreis rund um die Uhr auf Dauer zu beobachten. Aber noch einmal: Auch noch so gute Sicherheitsvorkehrungen können Anschläge nicht völlig ausschließen. Wir sollten uns jetzt vor Panik oder Aktionismus hüten. Es gibt sicherlich Unverbesserliche, die versuchen werden, dies auszunutzen, um gegen den Islam Stimmung zu machen. Das könnte der Front National in Frankreich und auch Pegida hierzulande Zulauf bringen.

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