Konflikt in Syrien : Syrien bereitet sich auf Angriff vor

Mitglieder der russischen Militärpolizei sichern in Duma, einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus, auf einer Straße. /Xinhua
Mitglieder der russischen Militärpolizei sichern in Duma, einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus, auf einer Straße. /Xinhua

Vermuteter Giftgaseinsatz: Russland beschuldigt London. Der Westen stimmt sich ab.

svz.de von
13. April 2018, 20:45 Uhr

Die Drohung von US-Präsident Donald Trump mit einem Militärschlag hat in Syrien Alarmbereitschaft und in Russland harsche Reaktionen ausgelöst. Aus regierungsnahen Kreisen in Damaskus hieß es, viele staatliche und militärische Einrichtungen in der Hauptstadt seien alarmiert worden.

Syriens enger Partner Russland warnte die USA vor „unüberlegten Schritten“. Ein Militärschlag gegen syrische Truppen würde nach russischer Einschätzung einen Bruch internationalen Rechts darstellen. Eine solche Attacke wäre eine „illegale Kampfhandlung gegen einen souveränen Staat“, sagte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja in New York. Dort kam der Weltsicherheitsrat gestern erneut zusammen, um über den Konflikt in Syrien zu beraten.
US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch mit einem Angriff auf syrische Stellungen gedroht. Washington macht die syrische Regierung für den mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen bei Kämpfen um die Stadt Duma verantwortlich. Damaskus und Moskau dementieren dies.

Nach russischer Darstellung soll London den mutmaßlichen Giftgasangriff in der syrischen Stadt Duma inszeniert haben, bei dem am vergangenen Samstag nach unterschiedlichen Angaben zwischen 42 und 85 Menschen getötet wurden.

Das Weiße Haus hatte am Donnerstag erklärt, eine Entscheidung über einen Militäreinsatz sei noch nicht gefallen. Zunächst sollten weitere Geheimdiensterkenntnisse ausgewertet werden.

Ermittler der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) sollen heute mit Untersuchungen in Duma beginnen. Sie sollen herausfinden, ob in der von Rebellen kontrollierten Stadt Chemiewaffen eingesetzt wurden. Ihr Auftrag lautet nicht, die Verantwortlichen zu ermitteln.

Als Option für eine US-Reaktion gelten Raketenangriffe auf ausgewählte Ziele in Syrien. Heikel daran wäre, dass dort stationierte russische Truppen getroffen werden könnten.

Vor dem Verteidigungsausschuss des US-Repräsentantenhauses deutete US-Verteidigungsminister James Mattis an, seine Regierung prüfe eine Reaktion, die sowohl eine Eskalation in der Region verhindere als auch wegen des angeblichen Giftgasangriffs eine deutliche Botschaft an Syriens Machthaber Baschar al-Assad sende. „Wir versuchen, den Mord an unschuldigen Menschen zu beenden“, sagte Mattis US-Medien zufolge. „Aber auf einer strategischen Ebene geht es darum, wie wir verhindern, dass das außer Kontrolle gerät, wenn Sie mich verstehen.“

Auch Frankreich, Großbritannien und Deutschland beobachten die Lage in Syrien aufmerksam. Präsident Emmanuel Macron beriet in einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin darüber, durch engere Abstimmung „Frieden und Stabilität“ in Syrien schaffen zu wollen.

Nach Einschätzung von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) wägen die USA, Frankreich und Großbritannien die möglichen Risiken eines Militärschlags genau ab. Dass es derzeit eine intensive Abstimmung gebe, sei ein Hinweis darauf, dass man sehr verantwortungsvoll mit dieser Situation umgehe und keine Eskalationsspirale in Gang setzen wolle, sagte der SPD-Politiker.

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