Trauerfeier für "Giganten der Geschichte" : Südafrika feiert Mandelas Leben

Viele Besucher der offiziellen Gedenkfeier im Stadion von Soweto sangen und tanzten, um Nelson Mandela zu ehren.
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Viele Besucher der offiziellen Gedenkfeier im Stadion von Soweto sangen und tanzten, um Nelson Mandela zu ehren.

Abschied von einem Ç . Präsident Obama stellt den Friedensnobelpreisträger in seiner Trauerrede in eine Reihe mit Gandhi, Lincoln und Martin Luther King

svz.de von
10. Dezember 2013, 19:46 Uhr

Regen ist ein Zeichen für den Segen der Ahnen, glauben viele Südafrikaner. Das schlechte Wetter bei der Trauerfeier für Nelson Mandela konnte gestern die Stimmung im Johannesburger FNB-Stadion daher nicht trüben. Zehntausende tanzten und sangen seit den frühen Morgenstunden unter ihren bunten Regenschirmen. In die Trauer mischten sich Stolz und Freude über ihren Freiheitshelden und ersten schwarzen Präsidenten. Viele hatten lange, beschwerliche Wege auf sich genommen, um pünktlich dort zu sein.

Es kamen junge und alte Südafrikaner, weiße und schwarze, arme und wohlhabende. Manche trugen Mandela-T-Shirts oder hüllten sich in die Nationalflagge. Zu Beginn beteten Christen, Juden, Muslime und Hindus gemeinsam. „Madiba hätte es gefreut, diese Vielfalt zu sehen“, sagte Thanduxolo Mandela, der Sprecher der Familie, wobei er Nelson Mandela ehrerbietig bei seinem Clan-Namen nannte.

Die Angehörigen ehrte die Menge mit einem besonders warmen Applaus. Mandelas Witwe Graça Machel und seiner Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela waren ihre Trauer deutlich anzusehen. Ernst und gefasst verfolgten sie die Würdigungen von Wegbegleitern und Staatsgästen.

US-Präsident Barack Obama würdigte den im Alter von 95 Jahren gestorbenen Friedensnobelpreisträger als einen „Giganten der Geschichte“. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon nannte Mandela ein „Leuchtfeuer der Hoffnung und der Menschenrechte“.

Rund 90 Staats- und Regierungschefs, Familienangehörige und Zehntausende Südafrikaner feierten den Freiheitshelden und Kämpfer gegen die Rassentrennung. Pfiffe und Buhrufe gab es dagegen für den amtierenden südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma.

Obama sagte in seiner sehr persönlichen Trauerrede, Mandela sei der letzte große Freiheitskämpfer des 20. Jahrhunderts gewesen. Er habe die Südafrikaner miteinander versöhnt und Millionen Menschen in aller Welt inspiriert. Die politische Leistung Mandelas müsse mit dem Lebenswerk des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi, des großen US-Präsidenten Abraham Lincoln und des Bürgerrechtlers Martin Luther King verglichen werden.

Am Rande der Trauerfeier kam es zu einer historischen Begegnung zwischen ihm und dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro. Beide schüttelten sich die Hand. Castro sagte, Mandela sei dem „revolutionären Kampf für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung“ verpflichtet gewesen.

Zeitweise brach während der zentralen Trauerfeier Unruhe auf den Rängen aus. Der indische Präsident Pranab Mukherjee musste seine Rede unterbrechen, weil die Zuschauer lärmten, sangen und mit Musikinstrumenten störten. Die Massen wurden auch deshalb ungeduldig, weil immer wieder die Leinwände für die Übertragung ausfielen. Die Rede von Südafrikas Präsident Zuma wurde massiv gestört.

„Die Menschen sind müde von Zuma“, sagte ein Teilnehmer, der Lehrer Nhlanhla Mbatha (42).

Wegen des schlechten Wetters waren weniger Menschen als erwartet gekommen. Unter den Gästen war auch Bundespräsident Joachim Gauck. Nach Angaben der südafrikanischen Regierung war es die größte Zahl von Staatsoberhäuptern, die je in der Geschichte zusammengekommen sind. Entgegen ersten Ankündigungen waren auch Präsident Schimon Peres und Premier Benjamin Netanjahu aus Israel nach Südafrika gekommen.

Der Leichnam Mandelas war nicht im Stadion aufgebahrt. Er wird am Sonntag im Dorf Qunu im Süden des Landes beigesetzt. Der erste schwarze Präsident Südafrikas war am Donnerstag nach langer Krankheit gestorben.

„Er blieb ein einfacher Mann des Volkes“, sagte General Thanduxolo Mandela für die Familie. Der Vizechef der Regierungspartei ANC bezeichnete Mandela als einen „Lehrer“ für seine Landsleute. „Tun wir alles, dass Madibas Traum nicht stirbt.“

„Ich musste heute kommen, um den Mann zu ehren, der gekämpft hatte, damit unser Land frei ist“, sagte Thuto Motsepe. Immer wieder sangen die Menschen „Tata Mandela“ (Vater Mandela).


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