Treffen in Panmunjom : Süd- und Nordkorea einigen sich auf Gespräche

Reisende sehen sich im Hauptbahnhof von Seoul die Neujahrsansprache des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un an.
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Reisende sehen sich im Hauptbahnhof von Seoul die Neujahrsansprache des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un an.

Süd- und Nordkorea setzen ihre Annäherung fort. In der nächsten Woche soll es nach zwei Jahren Unterbrechung wieder erste Gespräche geben. Zunächst geht es um Nordkoreas Teilnahme an den Olympischen Winterspielen. Seoul will eine Grundlage für Entspannung schaffen.

svz.de von
05. Januar 2018, 12:38 Uhr

Trotz des verschärften Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm wollen sich Süd- und Nordkorea zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder an einen Tisch setzen.

Nordkorea habe den Vorschlag des Südens akzeptiert, sich am nächsten Dienstag zu Gesprächen im Grenzort Panmunjom zu treffen, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Freitag mit.

Es soll um eine Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen vom 9. bis zum 25. Februar im südkoreanischen Pyeongchang, aber auch allgemein um die Verbesserung der angespannten Beziehungen gehen. Wer auf beiden Seiten an den Gesprächen teilnimmt, war zunächst unklar.

Die Einigung beider Koreas erfolgte einen Tag nach der Zustimmung von US-Präsident Donald Trump, geplante südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver wegen der Olympischen Spiele zu verschieben. Ein Sprecher der US-Streitkräfte Korea (USFK) bestätigte am Freitag, die entsprechende Vereinbarung zwischen Trump und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In schließe auch die Paralympischen Winterspiele in Pyeongchang vom 9. bis zum 18. März ein. Moon hatte die Verlegung vorgeschlagen.

US-Verteidigungsminister James Mattis sprach von einem Schritt der «Konfliktentschärfung». Er deutete an, dass die regulären Frühjahrsmanöver mit Südkorea kurz nach den Paralympischen Spielen beginnen sollen. Die Manöver lösen regelmäßig Protest aufseiten der isolierten kommunistischen Führung in Nordkorea aus, die den USA Angriffsvorbereitungen unterstellt. Washington und Seoul bestreiten das.

Die Einigung beider koreanischer Staaten folgte auf Entspannungssignalen aus Nordkorea in Richtung Süden. Machthaber Kim Jong Un hatte in seiner Neujahrsansprache am Montag angeboten, eine Delegation zu den Olympischen Spielen zu schicken und Gespräche darüber zu führen. 

Seoul hatte daraufhin ein Treffen auf hoher Ebene - möglichst mit Vertretern im Minister- oder Vizeministerrang - vorgeschlagen. Beide Seiten waren dann am Mittwoch weiter aufeinander zugegangen, indem sie ihre Telefon- und Faxleitungen an der Grenze erstmals seit knapp zwei Jahren wieder geöffnet haben. Trump hatte die Annäherung beider Staaten seiner Politik der Stärke zugeschrieben. Der US-Präsident und die Führung in Pjöngjang hatten sich in den vergangenen Monaten gegenseitig mit scharfen Drohungen überzogen, was die schlimmsten Befürchtungen ausgelöst hatte. 

China begrüßte die anstehenden Gespräche zwischen Nord- und Südkorea und rief und zu einer weiteren Entspannung der Lage auf. China habe durchweg eine konstruktive Rolle gespielt und unermüdlich daran gearbeitet, die Probleme auf der koreanischen Halbinsel zu lösen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. Man hoffe, dass die internationale Gemeinschaft nun weitere Unterstützung anbiete.

Der japanische Regierungssprecher Yoshihide Suga betonte, dass Japan mit Südkorea und den USA vereinbart habe, weiter zusammen «den Druck auf Nordkorea durch alle möglichen Mittel zu erhöhen», um es zum Abbau seines Raketen- und Atomprogramms zu bewegen. Dieses Vorgehen werde auch mit China und Russland abgestimmt. 

Nach dem jüngsten Test einer neuen nordkoreanischen Interkontinentalrakete Ende November hatte der UN-Sicherheitsrat erst vor Weihnachten die Sanktionen gegen das Land noch mal verschärft. Pjöngjang hatte angegeben, mit der Rakete das gesamte US-Festland erreichen zu können.

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