Kassen schlagen Alarm : Steigen die Belastungen?

Die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen sind wieder gestiegen.
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Die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen sind wieder gestiegen.

Krankenkassen rechnen mit höheren Zusatzbeiträgen. Der Bund geht von moderatem Preisanstieg aus

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11. März 2016, 20:55 Uhr

Jetzt schlagen die Kassen Alarm! Die Zusatzbeiträge der Arbeitnehmer zur gesetzlichen Krankenversicherung könnten bis 2019 jährlich um zwei Zehntel auf 1,8 Prozent steigen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geht dagegen für die nächsten Jahre von einem moderaten Preisanstieg aus, so ein Sprecher gestern. Belastungen ohne Ende? Fragen und Antworten zu den Warnungen der gesetzlichen Krankenkassen vor steigenden Beiträgen.

Wie stark sind die Zusatzbeiträge bereits zu Jahresbeginn gestiegen?

Laut Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen hatten Anfang des Jahres 59 von 88 bundes- oder landesweit geöffneten Krankenkassen ihren Beitragssatz für die Versicherten erhöht. Die Spanne der Beitragssätze reicht von 14,6 Prozent bei der Metzinger BKK bis zu 16,3 Prozent bei der BKK Viactiv.

Viele große Kassen – darunter die AOK Bayern und die BarmerGEK – verlangen 15,7 Prozent, die Techniker-Krankenkasse 15,6 Prozent. Von den großen Kassen ist die DAK mit 1,5 Prozent Zusatzbeitrag und einem Gesamtbeitragssatz von 16,1 Prozent die teuerste.

Was kommt in den nächsten Jahren auf die Versicherten zu?

Der Kassen-Spitzenverband rechnet damit, dass der Zusatzbeitrag, der allein von den Versicherten zu tragen ist, von derzeit im Schnitt 1,1 Prozent bis 2019 jeweils um gut 0,2 Prozentpunkte jährlich steigen wird – auf 1,8 Prozent.

Wie wirkt sich ein steigender Zusatzbeitrag auf den Versicherten aus?

Bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen von rund 2900 Euro brutto würde sich bei einem Beitragsanstieg um 0,2 Prozentpunkte eine jährliche Mehrbelastung von knapp 70 Euro ergeben. Bei 4000 Euro Monatseinkommen würden die jährlichen Beitragszahlungen versicherter Arbeitnehmer um 96 Euro steigen.

Wie stark steigen die Ausgaben der Kassen?

Je Versicherten gab es im vergangenen Jahr im Schnitt ein Ausgabenplus von 3,7 Prozent. Zum Vergleich: 2014 waren es noch fünf Prozent gewesen. Im vergangenen Jahr sind die Arzneimittelausgaben um knapp 1,7 Milliarden Euro oder 4,6 Prozent gestiegen. Zahlungen für neu zugelassene Hepatitis-C-Mittel erklären einen Großteil des Anstiegs. Die Ausgaben für Arzthonorare nahmen im vergangenen Jahr pro Versicherten um 3,9 Prozent zu. Für Kliniken wurden 2,5 Milliarden Euro zusätzlich ausgegeben – 3,1 Prozent mehr je Versicherten.

Welchen Kassen geht es gut, welchen nicht?

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen erzielten 2015 noch ein Plus von neun Millionen Euro. Die Ersatzkassen, die immerhin noch 4,3 Milliarden Euro auf der hohen Kante haben, fuhren ein Defizit von 532 Millionen Euro ein. Bei den Betriebskrankenkassen war es ein Minus von 287 Millionen Euro, bei den Innungskrankenkassen 346 Millionen Euro.

Tritt Schwarz-Rot auf die Ausgabenbremse?

Die Bundesregierung verhandelt mit der Industrie in einem sogenannten Pharmadialog über Kostendämpfung. Erste Ergebnisse sollen in einem Monat feststehen. Ihre eigenen Reformen – etwa das Versorgungsstärkungsgesetz, die Klinikreform, das Präventionsgesetz – werden Union und SPD kaum wieder revidieren. Die Kassen rechnen daher für dieses Jahr mit Mehrkosten von 1,4 Milliarden Euro, für 2018 bereits mit 3,1 Milliarden Euro.


 

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