zur Navigation springen

Bundestag : SPD-Abgeordnete fälscht Lebenslauf: Wer ist Petra Hinz?

vom

Doch kein Abitur, doch kein juristisches Staatsexamen: Die SPD-Politikerin aus Essen hat ihren Lebenslauf gefälscht.

svz.de von
erstellt am 20.Jul.2016 | 09:20 Uhr

Die Biografie auf ihrer Homepage ist leer, Facebook- und Twitter-Account sind verschwunden – und trotzdem redet die Politik über Petra Hinz. Wie am Dienstag bekannt wurde, hat die langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete wesentliche Teile ihres Lebenslaufes erfunden. Das sorgt für Wirbel.

Bei Recherchen hinterfragten Journalisten von „WAZ“ und „NRZ“ die Angaben der Politikerin. Das Ergebnis: doch kein Abitur, doch kein Studium der Rechtswissenschaften und auch keine Juristischen Staatsexamina. Der Anwalt der SPD-Politikerin bestätigte den gefälschten Lebenslauf. Wesentliche Teile seien falsch: „In der Rückschau vermag Frau Hinz nicht zu erkennen, welche Gründe sie seinerzeit veranlasst haben, mit der falschen Angabe über ihren Schulabschluss den Grundstein zu legen für weitere unzutreffende Behauptungen über ihre juristische Ausbildung und Tätigkeit“, heißt es in der Erklärung des Anwalts, die inzwischen auch auf der Internetseite der Essener SPD-Politikerin zu finden ist.

In dem Statement des Anwalts wird der tatsächliche Lebenslauf der Politikerin beschrieben. Die Biografie auf ihrer Homepage wird wohl gerade aktualisiert (momentan ist sie leer, Stand: 20.7.2016). Ihr Wikipediaeintrag wurde schon aktualisiert, während ihre Abgeordnetenbiografie auf www.bundestag.de noch Abitur und Studium ausweist.

<p>Die Biografie ist leer. Die Accounts bei Facebook und Twitter wurden gelöscht.</p>

Die Biografie ist leer. Die Accounts bei Facebook und Twitter wurden gelöscht.

Foto: Screenshot
<p>Ihre Bundestagsbiografie weist noch falsche Angaben aus.</p>

Ihre Bundestagsbiografie weist noch falsche Angaben aus.

Foto: Screenshot
 
  gefälschter Lebenslauf Was man über den tatsächlichen Lebenslauf weiß
1983 Fachhochschulreife Fachhochschulreife
1984 Abitur -
1985 bis 1987 Ausbildung zur Moderatorin keine Angaben zu finden
1985-1990 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften; Abschluss erstes und zweites Staatsexamen -
1990er freiberufliche Juristin (1995-1999) Versuch abgebrochen, das Abi auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen
1999 bis 2003 Juristin im Management eines Konzerns für den Bereich Immobilien, Bauwirtschaft, Expansion und Reorganisation Juristin (laut Anwalt aber nur juristischer Natur) im Management eines Konzerns für den Bereich Immobilien, Bauwirtschaft, Expansion und Reorganisation
2003 bis 2005 freiberufliche Juristin im Krisen- und Projektmanagement keine Angaben zu finden
seit 2005 Mitglied des Bundestages Mitglied des Bundestages

Hinz hat demnach im Jahr 1983 am heutigen Erich-Brost-Berufskolleg der Stadt Essen die Fachhochschulreife erworben. „Mitte der 1990er Jahre unternahm sie den Versuch, auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachzuholen und so zumindest einen Teil ihrer biografischen Falschangaben zu heilen“, heißt es weiter. Aus Zeitgründen habe sie dies jedoch bereits nach etwa einem Jahr wieder aufgeben müssen. „Es ist klarzustellen, dass Frau Hinz zu keinem Zeitpunkt rechtsberatend tätig war“, unterstrich der Anwalt in der Erklärung.

Die Angestelltentätigkeit in den Jahren 1999 bis 2003 sei nicht juristischer Natur gewesen. „Das politische Engagement von Frau Hinz war und ist von Aufrichtigkeit und Integrität geprägt. Sie ist daher sehr bestürzt, nicht die Courage aufgebracht zu haben, für ihr Fehlverhalten geradezustehen“, heißt es in der Erklärung weiter.

Hinz bitte ihre Wegbegleiter, Mitarbeiter, Freunde, „all die Menschen, die ihr vertraut haben, und auch die allgemeine Öffentlichkeit von ganzem Herzen um Entschuldigung“.

Die SPD in Essen kommt nicht zur Ruhe

Welche Konsequenzen die SPD aus dem Fall zieht, blieb zunächst unklar. Auch im Bundestag sind kritische Fragen zu erwarten. Für den SPD-Unterbezirk Essen bedeutet das Eingeständnis nun weitere Unruhe. Der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty ist erst seit gut zwei Monaten neuer Vorsitzender der Essener SPD. Seine Vorgängerin Britta Altenkamp war im Februar von dem Spitzenamt zurückgetreten, nachdem drei Ortsvereine der Essener SPD für Empörung gesorgt hatten. Die Parteigliederungen aus dem Essener Norden hatten der Stadtverwaltung vorgeworfen, bei der Unterbringung von Flüchtlingen benachteilige sie die sozial schwächeren Bezirke im Norden. Erst nach öffentlichen Protesten verzichteten die Ortsvereine auf eine geplante Demo gegen neue Flüchtlingsunterkünfte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen