zur Navigation springen
Politik

17. Oktober 2017 | 20:51 Uhr

Skandal mit Nebenwirkungen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vertrauen der Deutschen in Transplantationsmedizin ist drastisch gesunken / Hintergründe zum erneuten Rückgang der Zahl der Organspenden

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 00:34 Uhr

Der Skandal um die Manipulation von Wartelisten unter anderem in Göttingen, der 2012 für Schlagzeilen gesorgt hatte, zeigt dramatische Nebenwirkungen. Das Vertrauen der Deutschen in die Transplantationsmedizin ist drastisch gesunken. Wie lässt sich gegensteuern? „Jeder, der sich für eine Organspende entscheidet, kann Leben retten“, so Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Hintergründe zur Debatte über die neuen Zahlen und weitere Reformen bei der Organspende.

Wie hat sich die Zahl der

Organspenden entwickelt?
Der Negativtrend von 2012 hat sich fortgesetzt. Die Zahl der Organspender sei laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) bundesweit um 16,3 Prozent von 1046 Spendern in 2012 auf 876 gesunken. Das sind im Durchschnitt 10,9 Spender pro eine Million Einwohner, 2012 waren es 12,8 Spender. Dabei gibt es regionale Unterschiede. In der DSO-Region Nord-Ost sei der Rückgang der Spenden mit 9,7 Prozent am niedrigsten ausgefallen, in Bayern mit 23,9 Prozent am höchsten. Die DSO sieht den Negativ-Rekord als Folge der jüngsten Skandale.

Wie viele Patienten warten auf

ein Spenderorgan?
Etwa 11000 Männer und Frauen stehen auf den Wartelisten deutscher Transplantationszentren. Viele Menschen sterben, weil sie kein Spenderorgan erhalten. Die Zahl der Patienten auf den Wartelisten ist laut Bundesärztekammer etwas zurückgegangen. In Deutschland werden Nieren, Lebern, Bauchspeicheldrüsen, Darm, Herzen und Lungen transplantiert.


Wer entscheidet bei der

Organspende?
Nach den Kriterien der Bundesärztekammer soll nach Dringlichkeit und Erfolgsaussicht entschieden werden. Die DSO meldet jedes Spenderorgan der europäischen Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) in den Niederlanden, die anhand der gemeinsamen Wartelisten der ET-Mitgliedsstaaten einen Patienten auswählt.

Von den Transplantationszentren in Deutschland erhält Eurotransplant alle nötigen Daten. Jedes vierte Herz und jede zweite Bauchspeicheldrüse in Deutschland wird inzwischen über das beschleunigte Verfahren vergeben. Dabei geht es um Organe älterer und kranker Spender.

Wie wurde bei den letzten Skandalen manipuliert?


In Göttingen, Regensburg oder Leipzig ging es um die Manipulation von Patientenakten mit dem Ziel, bestimmte Patienten beim Empfang von Spenderlebern zu bevorzugen. Auch das beschleunigte Verfahren gilt als missbrauchsanfällig. Bei einer unabhängigen Überprüfung von 24 der 46 Transplantationszentren in Deutschland wurden 2013 an vier Häusern Verstöße festgestellt – in Göttingen, Leipzig, Münster und am Klinikum rechts der Isar in München.

gibt es jetzt schärfere regeln für diie vergabe von organen?


Ja. Manipulationen werden erschwert, da nun ein zweiter Mediziner bei der Einstufung eines Patienten einbezogen werden muss („Vier-Augen-Prinzip“). Alle Transplantationszentren sollen nun regelmäßig kontrolliert und ihre Akten überprüft werden.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen