SPD-Bundesvorsitz : Simone Lange tritt gegen Andrea Nahles an

Für sechs Jahre direkt von den Flensburgern gewählt: OB Simone Lange.
Foto:
Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange.

SPD setzt auf schnellen Wechsel - doch ist ein Kandidat zu wenig?

svz.de von
12. Februar 2018, 22:37 Uhr

Überraschender Personalvorschlag aus dem hohen Norden: Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange will für den Vorsitz der Bundes-SPD und damit gegen die Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles kandidieren. Das geht aus einem Brief der 41-Jährigen an den SPD-Bundesvorstand hervor, der svz.de vorliegt.

„Ich werbe für eine Basiskandidatur und möchte den Mitgliedern wieder eine Stimme geben und sie an diesem Entscheidungsprozess ernsthaft beteiligen“, erklärte Lange, die nach vier Jahren für die SPD im Kieler Landtag seit einem Jahr Oberbürgermeisterin in Flensburg ist: „Ich möchte der SPD eine Wahl ermöglichen. Das wäre ein erster Schritt, den Mitgliedern wieder das Gefühl zu geben, dass sie es sind, die die Stimmung und die Richtung der Partei bestimmen.“ Dies sei ein erster Schritt, die SPD wieder zu dem zu machen, was sie einst war: eine stolze Partei der sozialen Gerechtigkeit, schreibt Lange weiter.

„Ich habe mich daher entschlossen, mich für das Amt der Bundesvorsitzenden zu bewerben. Viele haben mich dazu ermutigt, andere haben mich auf das hingewiesen, was daraus folgen kann. All denen möchte ich an dieser Stelle noch einmal danken. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Schritt jetzt notwendig ist, denn mutige Politik braucht mutige Entscheidungen“, so die SPD-Politikerin am Montagabend.

Das Amt der Bundesvorsitzenden der SPD sei von weitreichender Bedeutung für die Partei und das gesamte Land und dürfe nicht von einer kleinen Gruppe intern festgelegt werden. Lange: „Eine Einzel-Kandidatur, die ohne große Diskussion durchgewunken wird, kann kein Zeichen für einen Aufschwung oder einen Neuanfang sein.“

Als Erste aus der Parteiführung sprach sich die SPD-Vize Manuela Schwesig für einen schnellen Wechsel an der Spitze aus. „Ich unterstütze sehr, dass Andrea Nahles zügig den Vorsitz der SPD übernimmt“, sagte sie in den ARD-„Tagesthemen“. Auch der Vorsitzende des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, sagte der „Rheinischen Post“, wenn der Parteivorstand Nahles ohnehin als Parteivorsitzende vorschlagen werde, sei es sinnvoll, sie gleich zur kommissarischen Vorsitzenden zu ernennen.

Die Linken im Bundestag kritisieren die Ernennung von Nahles. Linkefraktionschefin Sahra Wagenknecht sagte unserer Redaktion: „Eine neue Parteivorsitzende Andrea Nahles ist kein Befreiungsschlag, sondern ein Offenbarungseid.“ Wagenknecht betonte, die SPD brauche keine „Weiter-so-Verwalterin, sondern eine inhaltliche Erneuerung“. Sie kritisierte, Nahles habe die faulen Kompromisse in den Koalitionsgesprächen mit der Union mit ausgehandelt. In der letzten Regierung habe sie als Ministerin dem Boom von Leiharbeit und unsicheren Jobs zugesehen. Und statt Altersarmut zu bekämpfen, habe sie die gesetzliche Rente durch Einführung des Betriebs-Riesters zusätzlich geschwächt. Außerdem sei die SPD-Fraktionsvorsitzende an führender Stelle an den jüngsten „Personal-Chaostagen“ beteiligt gewesen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen