„Sie können uns nicht schlagen“

Hunderttausende Kurden feiern in Diyarbakir die PKK Fotos: dpa
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Hunderttausende Kurden feiern in Diyarbakir die PKK Fotos: dpa

Während im Nachbarland Syrien der Bürgerkrieg tobt, feiern die türkischen Kurden in ihrer Metropole das Newroz-Fest

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22. März 2015, 20:22 Uhr

Es schien, als hätte die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK Einfluss auf das Wetter: Als am Samstag bei der Feier zum kurdischen Neujahrsfest Newroz in der südosttürkischen Kurdenmetropole Diyarbakir die Botschaft des inhaftierten PKK-Chefs Abdullah Öcalan (kleines Foto) verlesen wird, hört der Regen auf und die Sonne bricht durch die Wolken. Hunderttausende rufen: „Lang lebe unser Anführer Öcalan!“ Die Feier zeigt eindrucksvoll, dass Öcalans Einfluss auch nach 16 Jahren in türkischer Haft ungebrochen ist. Seit gut 30 Jahren kämpft die PKK, zunächst für ein unabhängiges Kurdistan, inzwischen für weitreichende Autonomie innerhalb der Türkei. Öcalan wirbt in der Botschaft am Samstag für Frieden mit der Regierung. Viele Kurden haben allerdings den Glauben verloren, dass der türkische Präsident Recep Erdogan es ernst meint mit dem Versöhnungsprozess.

Die Newroz-Feier in Diyarbakir sendet aus Sicht der PKK und der ihr nahestehenden Partei HDP ein wichtiges Signal: Die Freiheitsbewegung der Kurden kann weiterhin problemlos die Massen mobilisieren. Hunderttausende sind es sicherlich auf dem Newroz-Feld, die HDP spricht gar von 1,5 Millionen.

Die Feier zeigt auch, wie viel Auftrieb der siegreiche Kampf der Kurden gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in der syrischen Grenzstadt Kobane der PKK gegeben hat - und wie viel Glaubwürdigkeit Erdogan dabei verspielt hat. „Die PKK ist so stark wie nie“, sagt Abdullah Demirbas. Der HDP-Politiker war Bürgermeister der Altstadt von Diyarbakir, jetzt kandidiert er fürs Parlament. Die Ko-Vorsitzende der syrischen Schwesterpartei PYD, Asya Abdullah grüßt von der Feier die Kämpfer in Syrien. „Der Widerstand in Kobane ist Motivation für alle Kurden“, ruft sie. „Keine Macht, kein Land wird uns schlagen. Sie können uns nicht schlagen.“ Nur zweimal wird gebuht: Als ein Redner den IS anspricht - und als der Name Erdogan fällt. Der 22-jährige Osman Daban, im Kampf um Kobane am Bein verletzt, sagt: „Erdogan ist unser größter Feind.“ Er glaubt wie viele Kurden,  dass Erdogan heimlich den IS stützt. Seine lang anhaltende Weigerung, Unterstützung für die vom IS bedrängten Kämpfer in Kobane zuzulassen, hat sein Image bei den Kurden in der Türkei ruiniert.

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