zur Navigation springen

Kanada : Sechs Tote bei Angriff auf Moschee in Québec

vom

In einer Moschee an Kanadas Ostküste fallen während des Abendgebets plötzlich Schüsse. Mindestens sechs Menschen sterben, Kanadas Premier Trudeau spricht von einem Terrorangriff auf Muslime.

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2017 | 15:42 Uhr

Quebec-City | Mutmaßliche Terroristen haben eine Moschee in Québec im Osten Kanadas gestürmt und sechs Menschen erschossen. Acht weitere Menschen wurden verletzt, sechs von ihnen schwebten am Montag in Lebensgefahr, wie Polizeisprecherin Christine Coulombe und die Klinik CHU mitteilten. Die beiden mutmaßlichen Täter wurden festgenommen, von weiteren Komplizen ging die Polizei zunächst nicht aus. Kanadas Premierminister Justin Trudeau sprach von einem „Terroranschlag auf Muslime“ und versprach, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Der Premierminister der französischsprachigen Provinz Québec, Philippe Couillard, sagte, es gebe bisher sehr wenige Informationen über die beiden Festgenommenen. Beide studierten an der bekannten Laval-Universität in Québec, einer von ihnen soll marokkanischer Herkunft sein, wie Radio Canada, das zum TV-Sender CBC gehört, unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete.

 

Dem Sender zufolge hielten sich zum Tatzeitpunkt am Sonntag gegen 20.00 Uhr (Ortszeit) rund 40 Menschen zum Abendgebet in der Moschee im Viertel Sainte-Foy auf. Ein Augenzeuge berichtete demnach, zwei maskierte Männer hätten das Gebäude gestürmt, auf die Betenden geschossen und dabei „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“) gerufen. Einer der Angreifer war nach Angaben der Zeitung „Le Soleil“ mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr bewaffnet. Mehrere Kinder hätten den Angriff miterlebt. Die Todesopfer sind zwischen 35 und 70 Jahre alt.

Einer der Todesschützen wurde laut Radio Canada noch vor der Moschee festgenommen. Der andere sei zunächst mit dem Auto geflüchtet, habe dann aber selbst die Polizei gerufen und sich gestellt. In dem Fahrzeug wurde demnach mindestens eine Waffe gefunden, die Wohnung eines der Festgenommenen wurde durchsucht. „Die Lage ist unter Kontrolle“, versicherte Polizeisprecher David Poitras in der Nacht, nachdem die Sicherheitskräfte mit einem Großaufgebot angerückt waren.

„Die Umgebung wurde gesichert, und wir haben alle Gebäude evakuiert.“ „Es ist entsetzlich“, sagte der Moschee-Vorsitzende Mohammed Yangui der Nachrichtenagentur dpa. „Diese Menschen kommen jeden Tag friedlich zum Beten, aber jetzt werden einige von ihnen nie wieder vom Gebet nach Hause zurückkehren. Ich bin schockiert, mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was ich fühle.“ Yangui wies darauf hin, dass seine Moschee in der Vergangenheit schon mehrfach Ziel von Angriffen gewesen sei. Im Juni wurde etwa ein abgetrennter Schweinekopf im Eingangsbereich der Moschee abgelegt.

 

Québecs Premierminister Couillard betonte nach dem Anschlag die Solidarität mit der muslimischen Gemeinschaft. „Ihr seid willkommen bei uns. Wir alle sind Québecer“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bürgermeister Regis Labeaume und seinem Sicherheitsminister Martin Coiteux. Labeaume sagte, die „Mitbürger und Mitbürgerinnen“ seien „unsere Nachbarn“. Coiteux versicherte, es werde alles getan, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel verurteilte den Anschlag auf das Schärfste: „Der Angriff zielt ins Herz einer Nation, die für religiöse Toleranz und Vielfalt bekannt ist.“ Deutschland und Kanada seien überzeugte Partner im Kampf gegen den Terrorismus, hieß es in einer vom Auswärtigen Amt in Berlin veröffentlichten Erklärung weiter. Das entschlossene Vorgehen gegen die Täter dürfe aber nicht auf Kosten einer offenen und freien Gesellschaft geschehen.

Der Bürgermeister von Montréal, Denis Coderre, sagte am Montag wegen des Anschlags in Quebéc einen geplanten Berlin-Besuch ab. Er hatte in der deutschen Hauptstadt der Opfer des Weihnachtsmarkts-Anschlags gedenken wollen, wie der Berliner Senat mitteilte. Montréal ist die größte Stadt der Provinz Québec und liegt ungefähr 250 Kilometer von der Stadt Québec entfernt.

Im Gedenken an die Opfer des Anschlags von Québec schaltet die französische Hauptstadt Paris in der Nacht zum Dienstag die Beleuchtung des Eiffelturms ab. Die Lichter des Wahrzeichen sollten um Mitternacht erlöschen, kündigte Bürgermeisterin Anne Hidalgo an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen