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Bundesfamilienministerin : Schwesig will weiter für Teilzeitmodelle kämpfen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mütter und Väter sollen sich mehr Zeit für Familien nehmen.

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 09:30 Uhr

Für Ihre Vision einer auf 32 Stunden verkürzten Wochenarbeitszeit für junge Eltern hat sich die neue Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) eine erste Rüge der Kanzlerin eingefangen. Deren Sprecher nannte alles nur einen „persönlichen Debattenbeitrag“. Dennoch diskutiert Deutschland mehr denn je über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Karin Koslik sprach mit der Ministerin über das Thema.

 

Ist nach der Rüge durch die Kanzlerin das Thema einer verkürzten Wochenarbeitszeit für junge Eltern für Sie vorerst abgehakt?

Schwesig: Nein, überhaupt nicht. Ich freue mich, dass jetzt so viel darüber diskutiert wird. Es ist eine wichtige gesellschaftliche Debatte, wie Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hinbekommen. Gute Kitas und Ganztagsschulen sind wichtig, wir müssen aber auch darüber sprechen, dass die Arbeitswelt familienfreundlicher werden muss und nicht die Familien immer arbeitsfreundlicher. Ich möchte zusammen mit Gewerkschaften und Unternehmen verschiedene Möglichkeiten und Modelle diskutieren, wie wir es gemeinsam hinbekommen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

Bedeutet der Vorschlag zur Verkürzung der Wochenarbeitszeit für junge Eltern aber nicht genau genommen, dass zwei Vollzeit arbeitende Eltern sich gar nicht genug um ihre Kinder kümmern können?

Mir ist ein Dreiklang in der Familienpolitik wichtig: Familien brauchen Zeit, Geld und Infrastruktur, also Kitas und Ganztagsschulen. Viele Familien stehen heute vor dem Problem, dass einer voll arbeitet und der andere – meistens die Frau - gar nicht oder nur sehr wenige Stunden. Oftmals wünschen sich aber beide Partner, Mütter und Väter, dass sie Familie und Beruf besser vereinbaren können. Wir müssen den Wunsch der Familien ernst nehmen. Deshalb möchte ich mit meinem Vorschlag die Partnerschaftlichkeit unterstützen, Es muss beiden Partnern möglich sein, Kinder zu erziehen und zu arbeiten. Und es ist besser, wenn beide Partner mehrere Stunden arbeiten, als wenn einer gar keine Chance dazu hat.

In diese Richtung zielt auch das Ergebnis einer zu Wochenbeginn veröffentlichten Studie. Zwar wünscht sich demnach ein Drittel aller Väter, Teilzeit arbeiten zu können, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben – tatsächlich tun das aber gerade einmal vier Prozent. Wie kann man Teilzeitarbeit gerade auch für Väter attraktiver machen?

Die Studie zeigt eine Schere zwischen denen, die sich Teilzeit wünschen und denen, die tatsächlich so arbeiten. Das hat insbesondere bei den Vätern den Grund, dass sie bei Teilzeit Karrierehemmnisse befürchten, weil sie dann fürchten, aufs Abstellgleis gestellt zu werden nach dem Motto: Der hat ja gar kein richtiges Interesse an dem Job. In der öffentlichen Debatte über dieses Thema muss es jetzt auch darum gehen, deutlich zu machen, dass Väter, die sich auch Zeit für die Familie nehmen, dennoch gute Arbeitnehmer sind.

Auch beim Elterngeld gibt es ja schon die „Vätermonate“, Statistiken zeigen allerdings, dass die meisten Väter wirklich nur den Minimalzeitraum von zwei Monaten nutzen, in denen sie zu Hause bleiben. Von Gleichberechtigung ist das noch weit entfernt. Ist es überhaupt realistisch zu denken, dass Väter einmal genauso viel Zeit mit ihren Kindern verbringen werden wie Mütter?

Das ist realistisch, denn viele Väter wünschen sich das. Der Studie zufolge sagen 81 Prozent der Väter selbst, dass sie viel Zeit mit den Kindern verbringen möchten. Wir werden einen Schritt in Richtung der Gleichberechtigung gehen mit dem ElterngeldPlus. Mütter und Väter, die in der Elternzeit berufstätig sind, sich aber auch Zeit für die Familie nehmen, werden derzeit finanziell benachteiligt. Das möchte ich ändern. Ich möchte, dass sie künftig den vollen Anspruch des Elterngeldes nutzen können. Und wenn sich Vater und Mutter Kind und Job teilen, dann gibt es einen Bonus oben drauf.


Ursula von der Leyen kämpft parallel zu Ihnen um familienfreundlichere Arbeitsbedingungen in der Bundeswehr. Sie will Chancen auf Teilzeitarbeit für Eltern, Kinderbetreuung in Kasernen - lohnt es da nicht, wenn Sie sich mit ihr verbünden würden?

Die Vorschläge von Frau von der Leyen sind gut und zeigen, dass in allen Berufsbereichen, auch in der Bundeswehr, über Familienfreundlichkeit nachgedacht werden muss. Und sie zeigen, dass die Debatte, die ich angestoßen habe, die Debatte über Zeit für Familien, wirklich in allen Berufen eine Rolle spielt.

 



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