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„Hebammen-Notstand“ in Deutschland : „Schwangere, aufgepasst!“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Debatte über „Hebammen-Notstand“ in Deutschland. Ruf nach Konsequenzen wird laut. Bund: Kliniken, Kassen und Länder am Zug

svz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 20:45 Uhr

Eine ungewöhnliche Reisewarnung macht gerade im Internet die Runde. „Schwangere Frauen sollten sich gut überlegen, welche Gebiete innerhalb Deutschlands sie für ihren Urlaub wählen“, heißt es darin. Verfasser ist die Elterninitiative „Mother Hood e.V“ mit Sitz in Bonn, die auf überlastete Geburtsstationen in Großstädten und geschlossene Kreißsäle im ländlichen Raum, etwa im Alpenvorland, oder auf Deutschlands Inseln hinweist. „Wer hochschwanger nach Sylt fährt, riskiert, sein Kind im Autozug aufs Festland zu bekommen“, so eine Sprecherin. Diese Woche erst hatte ein Fall aus Berlin für Schlagzeilen gesorgt: Eine Frau war im Stadtteil Neukölln – bereits mit geplatzter Fruchtblase – auf dem Weg in eine Klinik, bekam dort aber keinen Platz im Kreißsaal, wurde in ein anderes Krankenhaus geschickt. Das Kind kam im Rettungswagen zur Welt. Beim Berliner Senat räumt man ein: Ja, die Kapazitäten würden knapp.

Fehlende Geburtshilfeabteilungen, zu wenig Hebammen und Gynäkologen – ein Problem nicht nur in den Ballungszentren. In Niedersachsen gibt es aktuell noch in 75 von 182 Krankenhäusern Geburtshilfeabteilungen. „Dass es in einigen ländlichen Regionen und auch in Ballungszentren wie Berlin zu wenige Hebammen gibt, ist schon lange bekannt und nicht nur ein Problem in der Urlaubszeit“, erklärte Katja Dörner, stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, gestern im Gespräch mit unserer Redaktion.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält die Lage für weniger dramatisch als von Hebammen- und Elternverbänden geschildert. „Vor Panikmache kann ich nur warnen. In Deutschland kann man Urlaub machen, wo man möchte“, so Lauterbach gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es ist immer gewährleistet, dass eine Geburt mit höchsten medizinischen Standards durchgeführt werden kann. Es gibt keinen einzigen Flecken in Deutschland, wo das nicht möglich wäre.“

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach (CDU), nimmt Kliniken, Krankenhäuser und Länder in der Pflicht. „Gemeinsam mit den Hebammenverbänden haben wir die nötigen Verbesserungen auf den Weg gebracht, um die wertvolle Arbeit von Hebammen dauerhaft zu unterstützen“, erklärte Fischbach gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Nun seien Kliniken, Krankenkassen und Länder am Zug: „Jetzt müssen sie abgestimmt auch für eine ausreichende Krankenhaus- und Personalplanung sorgen, damit Kinder überall, in der Stadt und auf dem Land, sicher zur Welt kommen können“, sagte Fischbach.
 

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