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Politik

23. November 2017 | 06:43 Uhr

Bildung : Schulnoten ade?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bildungsexperten fordern die Abschaffung des Bewertungssystems – doch ohne Leistungsabbildung geht es nicht.

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und vom Bayerischen Lehrerverband kommt die Forderung nach Abschaffung von Schulnoten in Deutschland. Mit Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, sprach Rasmus Buchsteiner über die umstrittene Leistungsbewertung von Schülern.

Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands
Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands Foto: dpa
Was spricht gegen die Abschaffung der Schulnoten?
Meidinger: Ich bin sicherlich kein Notenfetischist. Wir wissen alle, dass es keine absolut gerechten und objektiven Noten gibt. Es bleibt bei der Bewertung immer ein Rest an Subjektivität dabei. Noten sind aber nach wie vor das beste verfügbare Instrument, um Schülerinnen und Schülern eine Rückmeldung zu ihrem Leistungsstand geben zu können. Eine notenfreie Schule ist eine Illusion. Schule hat die Aufgabe, klar die Qualifikationen von Kindern und Jugendlichen abzubilden. Noten sind zum Beispiel wichtig und sinnvoll, wenn es um den Wechsel zur weiterführenden Schule und die Bewerbung für eine Lehrstelle oder einen Studienplatz geht.

Wie würde eine Schul-Welt ohne Noten aussehen?
Noch einmal: Ohne einen Vergleichsmaßstab geht es nicht. Wenn wir keine Noten hätten, würden am Ende andere Mechanismen greifen. Dann würde es bei Bewerbungen auf Beziehungen oder auf den ersten Eindruck im Bewerbungsgespräch ankommen. Das wollen wir nicht. In den ersten zwei Jahrgangsstufen der Grundschule ist es etwas anderes. Ich verstehe, dass man Sechsjährige nicht gleich mit Noten traktieren muss. Spätestens ab der dritten Klasse sollte es sie aber geben.

Noten-Kritiker fordern als Alternative regelmäßige Berichte zum Leistungsstand. Können Sie dem etwas abgewinnen?
Das Problem mit diesen Berichten ist, dass sie oft sehr schwer verständlich sind. Im Übrigen gibt es dazu keine einheitlichen Kriterien in den Bundesländern. Viele Eltern sind damit überfordert, aus diesen Berichten herauszulesen, wo das Kind mit seinen Leistungen steht. Oft werden diese Texte nur selektiv gelesen. Eltern nehmen das wahr, was sie hören wollen. Mir sagen viele Lehrkräfte, dass die Kinder in der Grundschule dem Moment regelrecht entgegenfiebern, an dem es erstmals Noten gibt. Sie haben selbst das große Bedürfnis nach Orientierung. Schwierig wird es, wenn man sich die für einen Test erhaltene Note nicht erklären kann und nicht weiß, was man machen muss, um besser zu werden. In solchen Fällen kann eine Note zur Belastung werden. Deshalb ist es so wichtig, dass Schüler bei schlechten Leistungen von den Lehrerinnen und Lehrern signalisiert bekommen, was sie konkret ändern sollten.

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