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Abschussplan des Ministers : Schmidt holt Wölfe vor die Flinte

vom
Aus der Onlineredaktion

Bundeslandwirtschaftsminister für drastische Maßnahmen gegen „Problem-Wölfe“. Grüne: Abschussplan überzogen

von
erstellt am 05.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) prescht vor, hat genug von immer mehr Wolfsattacken, verzweifelten Schäfern und der beunruhigten Bevölkerung: In anderen Ländern gebe es längst eine „beschränkte Abschussfreigabe“, um die Wolfspopulation zu begrenzen. „So etwas brauchen wir auch in Deutschland“, forderte er gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Der Wolf ist kein jagbares Wild, aber eine Regulierung des Bestandes muss möglich sein“ und zur Not eben per Abschuss.

Wolf-Alarm: In fünf Bundesländern häufen sich die Angriffe auf Schafe und Wild. „Wenn das Märchen vom bösen Wolf zur Wirklichkeit wird, bricht die Akzeptanz für Wölfe in der Bevölkerung weg“, warnt die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir dürfen nicht abwarten, bis ein Mensch zu Schaden kommt. Der Abschuss von Wölfen darf kein Tabu sein.“

Wolfshysterie, übertriebene Angst? 1989 gelangten die ersten Wölfe aus Polen nach Ostdeutschland. Inzwischen leben bundesweit 120 bis 130 Tiere. Doch nun droht die Begeisterung über die Rückkehr der Wildtiere zu kippen.

Erst in der vergangenen Woche das Drama von Malliß in MV: 20 Kamerun-Schafe werden von Wölfen gerissen. „Es ist nie schön, von solchen Vorfällen zu erfahren“, erklärte Till Backhaus (SPD), Umweltminister von MV. Doch sieht er die Tierhalter in der Pflicht: Die Weide in Malliß in einem bekannten Wolfsgebiet sei „komplett ungeschützt“ gewesen: Das sei leichtfertig. Der Wolf sei zurückgekehrt. Nun müssten Konzepte entwickelt werden, damit der Wolf „als Bestandteil der heimischen Fauna akzeptiert wird“.

Nur in Ausnahmefällen ist der Abschuss eines Wolfes derzeit erlaubt: Wenn ein Tier mehrfach Probleme macht. Müssen die Bestimmungen nun gelockert werden, um die Gefahr einzudämmen? CDU-Frau Connemann wirft Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) vor, die „Tatsachen zu ignorieren“, die Zahl der „Problem-Wölfe“ nehme „besorgniserregend zu“. „Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr für den Menschen aus“, wiegelt Wenzel ab. Gleichwohl setzte er sich dafür ein, die Entwicklung der Wolfspopulation untersuchen zu lassen. Auf der Grundlage könnten dann „Regulierungsmaßnahmen“ veranlasst werden. Wie diese aussehen könnten, darüber müsse sachlich diskutiert werden. Agrarminister Schmidt sieht nicht mehr viel Zeit zum Reden: „Mir scheint, wir sind an einem Punkt angekommen, an dem gehandelt werden muss.”

Auch die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Steffi Lemke, sieht Handlungsbedarf, warnt aber vor der Verteufelung des Wolfes: „Es wäre gut, wenn Umwelt- und Landwirtschaftsministerium endlich aktiv werden, um den Schutz des Wolfes und die Interessen von Schäfern unter einen Hut zu bringen“, sagte sie unserer Redaktion. Dazu gehörten einheitliche Entschädigungszahlungen und ein koordiniertes Wolfsmanagement. Die Tötung von Wölfen zu erleichtern, sei eine überzogene Maßnahme.

 
 

 

 

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