Zum Tod von Helmut Schmidt : Salut zum Abschied

Bundespräsident Joachim Gauck trägt sich gestern im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel im Bundeskanzleramt in Berlin in das Kondolenzbuch ein.
Bundespräsident Joachim Gauck trägt sich gestern im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel im Bundeskanzleramt in Berlin in das Kondolenzbuch ein.

Große Anteilnahme für Helmut Schmidt: Gedenken in Hamburg und Berlin - Vorbereitungen für Staatsakt

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11. November 2015, 21:00 Uhr

Hunderte Menschen stehen gestern in Hamburg im Nieselregen Schlange – und warten zum Teil stundenlang. Die großen Deutschland- und Hamburgfahnen über ihnen wehen halbmast. Vor Schmidts Privathaus legen zahlreiche Menschen Blumen nieder und zünden Kerzen an. Schmidts Leichnam wird am Vormittag aus dem Haus im Stadtteil Langenhorn gebracht. Als der Leichenwagen das Grundstück verläßt, salutieren Polizeibeamte. Schmidt war dort im Kreis seiner Familie gestorben.

In der Bundeshauptstadt steht der Tisch vor dem Heisig-Portrait. Daneben die schwarz-rote-goldene Fahne, ein Blumengebinde und ein gerahmtes Foto mit Trauerflor. Ganz schlicht und wohl ganz nach dem Geschmack Helmut Schmidts. Joachim Gauck trägt sich ins Kondolenzbuch ein, in seinem Rücken am grauen Beton die Ahnengalerie der ehemaligen Bundeskanzler.
Eine Tradition, die Schmidt in Bonn eingeführt hatte. Nicht irgendein Foto, sondern ein Gemälde sollte nach dem Willen des Kunstfreundes an die Regierungschefs außer Dienst erinnern. Schmidt hatte sich, damals noch in Bonn, den ostdeutschen Künstler Bernhard Heisig ausgesucht, der sein Kanzlerbildnis malen sollte. Als der Altkanzler in dessen Atelier saß, hörte damals die Stasi mit.

Da hängt es nun an diesem grauen Novembermorgen im Berliner Kanzleramt, das Portrait in Öl des Altkanzlers mit Brille in der Hand. Der Bundespräsident, Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier sind am Tag nach dem Tod von Helmut Schmidt erschienen, um dem Verstorbenen zu gedenken, Trauer und Respekt zum Ausdruck zu bringen. Während in Hamburg-Langenhorn Polizisten dem Altkanzler die letzte Ehre erweisen und salutieren, als sein Leichnam aus dem Haus gebracht wird, hält auch das politische Berlin noch einmal inne. „Dank dem Staatsmann, der seinem, unserem Land mit Weitsicht, Entschlossenheit und der Leidenschaft zur Vernunft diente“, schreibt Gauck in das schwarze Buch. „Dank dem Bürger, der uns vorlebte, daß Verantwortung der Lebensatem der Demokratie ist“, würdigte das Staatsoberhaupt. „In tiefer Trauer und Respekt vor einem großen Staatsmann“, lautet Merkels Eintrag ins Kondolenzbuch. Noch bis Mitte nächster Woche können dort Bürgerinnen und Bürger ihre Trauer zum Ausdruck bringen. Der Tod des Altkanzlers war auch gestern noch Gesprächsthema Nummer Eins im Berliner Regierungsviertel.

Vor Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts hatte das Bundeskabinett den früheren Kanzler mit einer Schweigeminute geehrt. Bundespräsident Joachim Gauck ordnete einen Staatsakt für Schmidt an, der auf Wunsch des Verstorbenen in seiner Heimatstadt Hamburg stattfinden und vom Bundesinnenministerium organisiert wird.

Der Altkanzler hatte schon vor längerer Zeit einen Staatsakt zugestimmt und soll – typisch Schmidt – zudem gleich Ort und Regie bestimmt haben: Die vom Bundespräsidenten angeordnete Trauerfeier wird nicht etwa wie es für einen Kanzler laut Protokoll üblich wäre im Berliner Reichstag stattfinden, sondern im Hamburger Michel, dem Wahrzeichen der Hansestadt. Der genaue Termin steht bislang noch nicht fest, soll aber erst in zwei bis drei Wochen sein. Schließlich soll Schmidt noch auf einen Empfang im Hamburger Rathaus bestanden haben. Nicht überliefert wurde, ob auch geraucht werden darf. Jedenfalls werden dort zahlreiche Politiker aus aller Welt erwartet.

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