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Trauermarsch für Nemzow : Russlands Opposition in Schockstarre

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach dem Mord am prominenten Putin-Gegner Boris Nemzow 2015 muss sich die Opposition neu sammeln

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Tausende Menschen schlängeln und quetschen sich durch die Straße, mitten im Herzen Moskaus. „Russland wird frei sein“, dröhnt es aus einem Lautsprecher. „Putin muss weg“, skandieren die Demonstranten. Eigentlich ist es ein Trauermarsch für den ermordeten Oppositionellen Boris Nemzow. Doch für Studentin Darija Polschikowa ist die Versammlung ein „Symbol für Freiheit und Demokratie“. Sie marschiert bereits zum dritten Mal mit. An den 27. Februar 2015 kann sie sich noch gut erinnern. Es war der Abend, an dem Nemzow erschossen wurde. Von den Tausenden Demonstranten glaubt eigentlich niemand an die offizielle Version, nach der fünf Tschetschenen hinter dem Mord stecken sollen. Gegen die Männer läuft ein Prozess. Selbst wenn es zu einer Verurteilung kommen sollte, würden die wahren Hintergründe der Tat aber im Dunkeln bleiben, sind sich die Menschen hier sicher. Nemzows Angehörige und Unterstützer vermuten, dass der Mord von höchster Stelle geplant worden sei.

Der Tod einer der Galionsfiguren der zersplitterten russischen Opposition traf Aktivisten und Kritiker 2015 schwer. Zwar waren sie schon zuvor systematisch an den Rand der politischen Existenz gedrängt worden, doch nun verfielen sie in eine Art Schockstarre. „Die russischen Demokraten haben ihren erfahrensten Anführer verloren“, sagt der Journalist Michail Fischman. Der Reformer Nemzow, der selbst einst als Vizeregierungschef unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin zum politischen Establishment gehörte, hatte viele Anhänger. Er konnte zwar nicht für alle Oppositionellen den kleinsten gemeinsamen Nenner bilden, sagen seine Mitstreiter. „Er konnte aber besser als andere verhandeln und Kompromisse finden“, meint Fischman.

Gut ein Jahr vor der Präsidentenwahl 2018 sehen Kritiker keine Chance für eine Wende. Zwar gilt Alexej Nawalny als Hoffnungsträger für die nächste Wahl. „Natürlich wird er nicht gewinnen“, sagt Rentnerin Valentina. „Aber er wird Putin zeigen, dass nicht alle Russen mit seiner Politik einverstanden sind.“

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