EU will koordinieren : Rund 120.000 Deutsche aus Ausland zurückgeholt

Außenminister Heiko Maas (SPD) berät am Montag mit seinen EU-Amtskollegen in einer Videokonferenz über die Rückholung von EU-Bürgern aus dem europäischen Ausland. /dpa
Außenminister Heiko Maas (SPD) berät am Montag mit seinen EU-Amtskollegen in einer Videokonferenz über die Rückholung von EU-Bürgern aus dem europäischen Ausland. /dpa

Gestrandet im Urlaub: Viele Touristen, die wegen des Coronavirus im Ausland festsaßen, sind schon nach Deutschland zurückgekehrt. Doch Zehntausende sitzen immer noch fest. Die Bundesregierung blickt mit ihrer Rückholaktion jetzt in die weite Ferne.

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23. März 2020, 17:16 Uhr

Die Bundesregierung hat gemeinsam mit Reiseveranstaltern und der Lufthansa inzwischen rund 120 000 wegen der Corona-Krise im Ausland gestrandete Deutsche zurückgeholt.

«Wir haben den Rückfluss aus den Haupturlaubsgebieten weitestgehend abgeschlossen und widmen uns jetzt ganz besonders Ländern auch in weiterer Entfernung», sagte Außenminister Heiko Maas am Montag nach einer Videoschalte mit seinen EU-Amtskollegen. Es sei davon auszugehen, dass es bei der Aktion um mehr als 200.000 Deutsche im Ausland gehe.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell betonte nach der Schalte in Brüssel: «Unsere Priorität ist jetzt, diese Menschen nach Hause zu bringen.» Dazu brauche es die Koordination zwischen den EU-Staaten, aber auch des Auswärtigen Dienstes der EU sowie der Botschaften vor Ort. Die EU könne zu dieser Koordination beitragen, aber eigentlich lägen die Rückholaktionen in der Kompetenz der einzelnen EU-Staaten.

Zahlreiche Länder haben wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus Grenzen dicht gemacht und Flugverbindungen gekappt. Maas (SPD) hatte deswegen vergangenen Dienstag angekündigt, Deutsche aus den Ländern zurückzuholen, aus denen es keine regulären Flüge mehr gibt. Dafür hat das Auswärtige Amt Maschinen gechartert, die bisher 40 Flüge absolviert haben. Zusätzlich bringen die Reiseveranstalter und die Lufthansa auf eigene Faust Urlauber mit Sonderflügen zurück.

Unter www.rueckholprogramm.de können festsitzende Deutsche sich für die Rückholaktion registrieren lassen. Derzeit konzentriert sie sich auf folgende 15 Länder: Ägypten, Algerien, Argentinien, Chile, Costa Rica, Dominikanische Republik, Ecuador, Gambia, Indien, Marokko, Mexiko, Neuseeland, Peru, Philippinen und Tunesien. Das Auswärtige Amt rechnet damit, dass 10.000 Deutsche pro Tag nach Deutschland zurückgeholt werden können. Maas betonte, dass auch EU-Bürger anderer Staaten mitgenommen würden, falls es noch freie Plätze gebe.

Borrell sagte am Montag, er telefoniere derzeit mit vielen Kollegen in Lateinamerika und Südostasien, damit diese die Flüge in ihren Regionen ermöglichten. Zudem forderte er, dass die internationale Solidarität mit Blick auf eine mögliche weitere Ausbreitung von Covid-19 ausgebaut werden müsse. Gefährdete Länder müssten unterstützt werden. Man müsse wachsam sein, was die Situation in Afrika betreffe. Dort könne die Lage schnell außer Kontrolle geraten, sagte Borrell. «Das ist die Zeit um den Multilateralismus zu stärken und die Kräfte zu bündeln, um einer Bedrohung für die ganze Menschheit zu begegnen.»

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