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Gewalt-Skandal bei Bundeswehr : „Restbestände von Machoverhalten“

vom
Aus der Onlineredaktion

Kritische Fragen an die militärische Führung

Die Anfahrt durch einen Wald endet vor schweren Eisentoren. „Militärischer Sicherheitsbereich, unbefugtes Betreten verboten!“ Wer keine Berechtigung hat, in die Pfullendorfer Staufer-Kaserne hineinzufahren, kommt hier nicht weiter. Hinter den Toren soll es zu Gewalt-Exzessen gekommen sein, die die Bundeswehr erschüttern und Fragen aufwerfen.

Zum Beispiel: Wie konnten sexuelle Nötigung, Mobbing, Misshandlungen und Demütigungen an einem Elite-Standort lange weitgehend unentdeckt bleiben? Und: Hat die militärische Führung inklusive Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angemessen reagiert und informiert?

Bundestags-Fachpolitiker von SPD und Grünen meldeten gestern schon mal Zweifel an. Der Verteidigungsausschuss soll der Sache demnächst auf den Grund gehen. Laut „Spiegel Online“ gab es bereits 2015 erste Hinweise auf Verfehlungen bei der Ausbildung sowie Mobbing gegen Frauen in der Kaserne. Wo eigentlich nationale und internationale Spezialkräfte für ihren Einsatz geschult werden sollen, kam es dem Bericht zufolge zu „sexuell-sadistischen Praktiken“ und Gewaltritualen.

Ministerin von der Leyen nennt die Vorfälle „abstoßend“ und „widerwärtig“. Nach den „Spiegel“-Informationen wandte sich aber bereits im Oktober ein weiblicher Leutnant aus dem Sanitätsbereich an den Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels und auch direkt an von der Leyen. Die Soldatin soll beschrieben haben, dass sich Rekruten bei der Ausbildung vor den Kameraden nackt ausziehen mussten. „Vorgesetzte filmten mit, angeblich zu Ausbildungszwecken“, heißt es. Auch von medizinisch unsinnigen, sexuell motivierten Übungen sei die Rede.

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold erzählt nun, er sei im vorigen Sommer in der Staufer-Kaserne gewesen und habe das Gefühl gehabt, „dass dort nicht gut und verantwortungsvoll geführt wird“. Den Besuch beim jetzt abgelösten Kommandeur habe er erzwingen müssen. Der Offizier habe „mit massivem Druck und Tricks unterlaufen, dass ich die Personalvertretung unter vier Augen sprechen kann“. Arnold: „Ich bin im Bewusstsein gegangen: Irgendetwas läuft da nicht gut.“

Der Wehrbeauftragte Bartels findet harte Worte zu den Gewaltexzessen: Die Dienstaufsicht habe versagt, und „um einen Neuanfang wird man nicht herumkommen“. In Pfullendorf habe es womöglich „noch Restbestände von einem Machoverhalten“ gegeben.

Schon mehrfach hat es Gewalt-Skandale in der Bundeswehr gegeben, zuletzt die entwürdigenden Aufnahme-Rituale der Gebirgsjäger im oberbayerischen Mittenwald im Februar 2010. Der wohl schlimmste Fall liegt indes über 50 Jahre zurück: 1963 machte der „Schleifer von Nagold“ Schlagzeilen. Rekruten wurden menschenunwürdigen Schikanen ausgesetzt – bis zu Liegestützen über einem aufgeklappten Taschenmesser. Ein 19-Jähriger überlebte die Tortur nicht.

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