Fakten : Rente steigt – Unsicherheit wächst

Warum es nicht so nicht weitergeht. Koalition plant Aufstockung kleiner Renten

svz.de von
21. März 2016, 21:00 Uhr

Die Rentner können sich über die kräftigste Erhöhung ihrer Bezüge seit Jahren freuen. Doch längerfristig ist eine auskömmliche Rente für immer mehr Senioren unsicher. Und es gibt noch Ost-West-Unterschiede. Die wichtigsten Fakten von Basil Wegener.

Wie entwickelt sich die Rente in diesem Jahr?

Zum 1. Juli steigt die Rente um 4,25 Prozent in den alten Ländern, im Osten um 5,95 Prozent. Bei 1200 Euro brutto sind das 51 Euro (West) und 71,40 Euro (Ost).

Wie ist die starke Erhöhung zu erklären?

Sie rührt von der Entwicklung der Bruttolöhne in Deutschland her – getrennt errechnet für West (3,78 Prozent) und Ost (5,48 Prozent). Zudem gibt es jedoch einen statistischen Sondereffekt, der in diesem Jahr einmalig zu Buche schlägt: Im vergangenen Jahr wurde das Niveau der Durchschnittslöhne aufgrund von EU-Vorgaben niedriger ausgewiesen. Die Rentenerhöhung fiel deshalb um rund einen Punkt niedriger aus. Dies wird nun ausgeglichen.

Wie geht es weiter mit der Rente?

Die Renten sollen auch künftig steigen – bis 2029 im Schnitt aber nur um rund zwei Prozent pro Jahr. Von den Löhnen koppeln sich die Renten dabei immer mehr ab. Faktoren wie die Nachhaltigkeitsrücklage dämpfen das Rentenplus. Sie sollen sicherstellen, dass die Rente bezahlbar bleibt, auch wenn geburtenstarke Jahrgänge in den Ruhestand gehen.

Wie entwickelt sich die Rente im Verhältnis zu den Löhnen?

Das wird mit dem Rentenniveau angegeben. Heute liegt es noch bei 48 Prozent. Unter 43 Prozent soll es laut politischer Vorgabe bis 2030 nicht fallen. Derzeit sind knapp 45 Prozent bis 2029 vorhergesagt. Trotzdem dürften die Rentenreserven dahinschmelzen. Nach 2020 soll deshalb der 18,7 Prozent betragende Beitragssatz steigen.

Wie gross ist das Problem der Altersarmut?

258 000 Menschen im Rentenalter waren 2003 auf Grundsicherung angewiesen – 2014 waren es 512 000. Doch wegen des sinkenden Rentenniveaus und vermehrt auftretender gebrochener Erwerbsbiografien vor allem bei Frauen warnen Sozialverbände wie der Paritätische Wohlfahrtsverband: „Altersarmut droht künftig immer mehr älteren Menschen.“

Was plant die Koalition?

Eine Aufstockung kleiner Renten. Laut Koalitionsplan ab einer Rentenschwelle von heute 876 Euro im Westen und 812 Euro im Westen. Doch um soziale Pläne wie diese gibt es Streit. SPD-Chef Sigmar Gabriel pocht auf eine Realisierung eines Soli-darpakts. Dagegen meint CDU-Generalsekretär Peter Tauber: „Die kräftige Erhöhung der Renten zeigt, dass die vom SPD-Chef ausgelöste Neiddebatte an der Realität völlig vorbeigeht.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen