Gesamtkonzept : Rente mit 67, 69, 70, 73…

Das Rententhema kann die Regierung nicht weiter aussitzen
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Das Rententhema kann die Regierung nicht weiter aussitzen

Ständig gibt es neue Vorschläge – Sozialministerin Nahles will im Herbst ein Gesamtkonzept vorlegen

svz.de von
16. August 2016, 05:00 Uhr

Seit Beginn des Jahres scheint ein regelrechter Überbietungswettbewerb in Sachen Renteneintrittsalter losgebrochen zu sein. Die Bundesbank brachte gestern die Rente mit 69 ins Spiel. Die Spitze hält zur Zeit das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW), das kürzlich über eine Rente mit 73 nachdachte. Solche Vorschläge sowie die koalitionsinterne Debatte um die künftige Rentenpolitik setzen Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) unter Druck. Ruppert Mayr hat die Fakten zusammengetragen:

Was steckt hinter dieser Debatte?

Die Deutschen werden älter und bekommen länger Rentenzahlungen. Zugleich nimmt die Zahl der Menschen ab, die für die Rente aufkommen können, die arbeitenden Beitragszahler. Der Generationenvertrag steht in Frage.

Wie hat sich die Lebenserwartung entwickelt?

65-jährige Männer werden heute im Schnitt älter als 82, Frauen fast 86. Das tatsächliche Alter des Renteneintritts ist seit 2000 zwar um rund zwei auf gut 64 Jahre gestiegen. Die Dauer des Rentenbezugs (bis zum Tod) stieg aber noch stärker und liegt laut Rentenversicherung Bund bei Frauen bei 22,8 Jahren und bei Männern bei 18,78 Jahren.

Was bedeutet das für Rentner und Beitragszahler?

Bis 2030 ist alles geregelt. Der Gesetzgeber sagt: Der Beitragssatz darf bis 2020 nicht höher als 20 Prozent des Bruttoeinkommens steigen und bis 2030 nicht höher als 22 Prozent. Zugleich darf das Rentenniveau bis 2020 nicht unter 46 Prozent sinken und bis 2030 nicht unter 43 Prozent. Zurzeit liegt das Rentenniveau – das Verhältnis der Rente nach 45 Jahren Arbeit zum Durchschnittseinkommen – bei 47,7 Prozent. Die Rentenversicherung sagt, die politischen Vorgaben könnten eingehalten werden – gerade so. Zudem sollen private und betriebliche Vorsorge ausgebaut werden. Parallel dazu kommt bis 2029 in Monatsschritten die Rente mit 67.

Und was kommt danach?

Hier setzen die Prognosen ein. Das Ergebnis ist im Kern gleich: länger arbeiten. Darüber, ob Dachdecker oder Steinmetze überhaupt länger arbeiten können, verlieren die Prognosen kaum ein Wort.

Was sagt die Bundesregierung?

Regierungssprecher Steffen Seibert: „Die Bundesregierung steht zur Rente mit 67.“ Dies sei vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sinnvoll.

Immer weniger Bürger „riestern“

Die Zahl der Riester-Verträge ist erstmals seit Einführung der öffentlich geförderten privaten Altersvorsorge vor 15 Jahren zurückgegangen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hervor, die unserer Berliner Redaktion vorliegt. Im ersten Quartal dieses Jahres gab es demnach 600 Verträge weniger als Ende 2015. Die Gesamtzahl der Riester-Verträge lag Ende März bei 16,5 Millionen, wobei rund ein Fünftel der Verträge ruht. „Mit den jüngsten Ergebnissen setzt sich der Trend der letzten Jahre fort. Es ist sehr deutlich, dass die klassische Riester-Versicherung auf dem absteigenden Ast ist“, sagte der rentenpolitische Sprecher der Grünen, Markus Kurth, gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.


Die rot-grüne Bundesregierung hatte die nach dem damaligen SPD-Arbeitsminister Walter Riester benannte Rente 2001 eingeführt. Ziel war es, die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus durch eine öffentlich geförderte private Altersvorsorge aufzufangen, damit keine Rentenlücke entsteht. Damit die sogenannte dritte Säule trägt, muss eine jährliche Rendite von vier Prozent erreicht werden.

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