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Nach Twitter-Wut auf Merkel : Reem kann wieder lächeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Flüchtlingsmädchen, das Kanzlerin Merkel von Asylverfahren und Abschiebungsängsten erzählte, hat offenbar gute Chancen zu bleiben.

Am Tag nach dem Treffen mit Angela Merkel lächelt Reem wieder. „Sie hat zugehört. Sie hat auch ihre Meinung gesagt. Das finde ich auch in Ordnung“, verteidigt die 14-Jährige die Bundeskanzlerin gegen heftige Kritik. „Ich werd’ mich jetzt erstmal damit abfinden und werd’ hoffen, dass es was bringt“, so Reem weiter. Seit 2011 ist das Mädchen nun schon in Deutschland. Mit ihrer palästinensischen Familie war sie aus dem Libanon geflohen. Reem fürchtet die Abschiebung, bricht am Mittwoch vor laufender Kamera im Gespräch mit Merkel in Tränen aus. Die Kanzlerin versucht sie zu trösten, macht dem Flüchtlingsmädchen jedoch keine Versprechungen. Im Internet wird Merkel seitdem scharf kritisiert. Kälte und Herzlosigkeit, so die Vorwürfe. Andere verteidigen die Kanzlerin. Hoffnung gibt es für Reem und tausende anderer Flüchtlinge aber dennoch.

Bereits vor Monaten hatte die Bundesregierung ein Gesetz auf den Weg gebracht, das mehr Flüchtlingen die Chance ermöglicht, dauerhaft in Deutschland zu bleiben. Erst vor einer Woche passierte es den Bundesrat – nur die Unterschrift von Bundespräsident Joachim Gauck fehlt noch.

Jugendliche, die seit mindestens vier Jahren eine deutsche Schule besuchen und gut integriert sind, sollen künftig unabhängig von ihrem Asylstatus in Deutschland bleiben dürfen. Bisher mussten Jugendliche für ein Bleiberecht mindestens sechs Jahre in Deutschland sein. Auch für seit Jahren Geduldete, also Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus, die aus unterschiedlichen Gründen nicht abgeschoben werden, soll es leichter werden, langfristig in Deutschland zu bleiben.

Derweil steigt die Zahl der Asylbewerber weiter an. Die Bundesregierung erwartet in diesem Jahr 450  000 Flüchtlinge. Im ersten Halbjahr stellten fast 180  000 Menschen einen Antrag – eine Zunahme von 132,2 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2014. Im Schnitt dauert es gut fünf Monate, bis ein Antrag positiv oder negativ beschieden wird – zuletzt waren es sogar sieben Monate. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lehnte jedoch bereits mehr als 40  000 Anträge ab.

In Länder, wo Bürgerkrieg tobt oder der IS auf dem Vormarsch ist, wird nicht abgeschoben. Für den Libanon, von wo Reem floh, gilt das nicht. Die Regeln des neuen Bleiberechts machen es dennoch wahrscheinlich, dass es nicht zu einer Abschiebung kommt. Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) will einen möglichen Abschiebebeschluss für Reems Familie und für ähnliche Fälle ohnehin zunächst nicht vollziehen. Die 14-Jährige schmiedet bereits Zukunftspläne: „Nach der Schule möchte ich studieren und möchte auch was dafür tun, dass die Zukunft besser wird“, so Reem.

Werner Herpell

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