Gabriel gegen Flüchtlings-Hass : „Rechtsradikaler Mob“

Sigmar Gabriel (M., SPD) gestern in der Notunterkunft für Flüchtlinge in Heidenau
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Sigmar Gabriel (M., SPD) gestern in der Notunterkunft für Flüchtlinge in Heidenau

Sigmar Gabriel, der Hass in Heidenau und die Angst der Flüchtlinge - Mit dem Vizekanzler vor Ort in Sachsen

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24. August 2015, 21:00 Uhr

Auch Sigmar Gabriel schlägt der Hass voll entgegen. „Wir sind nicht Mutter Theresa hier. Deutschland hat schon genug Elend!“, brüllt einer der Wutbürger von Heidenau. Der SPD-Chef versucht, ruhig zu bleiben und zu argumentieren – doch vergeblich. Der Mann wettert weiter gegen die Flüchtlinge. Der Vizekanzler ist gestern zu Gast in dem 16 000-Einwohner-Städtchen vor den Toren Dresdens, das seit Tagen wegen der Krawalle eines rechten Mobs und den Protesten gegen eine neue Notunterkunft Negativ-Schlagzeilen macht. Die Stimmung in Heidenau bleibt aufgeheizt, und die Flüchtlinge in einem zum Lager umfunktionierten Baumarkt haben Angst.

Gabriel will mit seinem Besuch ein Zeichen setzen – gegen Hass, Gewalt und Anfeindungen. Hier vor der Halle, die inzwischen von einem Gitterzaun, Sichtblenden und einem Großaufgebot der Polizei gesichert wird, spricht der Vizekanzler Klartext. „Keinen Millimeter diesem rechtsradikalen Mob“, verurteilt er die Krawalle und ihre rechten Drahtzieher. „Bei uns zu Hause würde man sagen: Das ist Pack, das sich hier rumgetrieben hat“, sagt er. „Das sind Leute, die haben mit Deutschland nichts zu tun. Die halten sich für die Vertreter des wahren Deutschlands.“ In Wahrheit seien es „die undeutschesten Typen, die ich mir vorstellen kann“. Für alle, die Parolen grölen und Brandsätze schmeißen würden, gebe es nur eine Antwort, so der Vizekanzler: „Polizei, Staatsanwaltschaft und für jeden, den wir erwischen, auch das Gefängnis.“

Abscheu, Empörung, Kopfschütteln über die Eskalation von Heidenau auch bei Gabriel: Der SPD-Chef kämpft um die Meinungsführerschaft in der Flüchtlingskrise – zumal Kanzlerin Angela Merkel sich bis gestern zunächst nicht zur Eskalation der Gewalt gegen die Flüchtlinge in Sachsen geäußert hatte. Eigentlich wollte der Bundeswirtschaftsminister gestern ausschließlich Vorzeige-Unternehmen in Sachsen besuchen, doch nun überschatten die Krawalle gegen Flüchtlinge seine Sommerreise, und Gabriel änderte kurzerhand Terminplan und Route.

Draußen vor dem Flüchtlingsheim sammeln sich Schaulustige und Anwohner, die gar nichts von den Neuankömmlingen halten. Drinnen kauern Asylbewerber auf Pritschen in mit Planen verhangenen Verschlägen. Jürgen Opitz macht sich Sorgen. Seine Stadt sei „kein Nazinest“, versichert Heidenaus Bürgermeister, doch gebe es sehr große Vorurteile und den Wunsch nach einer Stadt nur mit Blonden und Blauäugigen. Viele Einwohner bekämen schon bei einem Besuch in Berlin „einen Kulturschock“. Es gehe darum zu zeigen, dass nicht alle in Heidenau so denken wie die Krawall-Macher, wünscht sich der Bürgermeister mehr Unterstützung aus Berlin: „Ich hoffe, dass wir spätestens übermorgen Angela Merkel hier begrüßen können“, wünscht er sich einen Besuch der Kanzlerin.

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