Nach Bombenanschlag in Wolgograd : Putin profitiert

svz.de von
30. Dezember 2013, 00:34 Uhr

So zynisch es klingen mag: Der Bombenanschlag in Wolgograd spielt Wladimir Putin in die Hände. Der Kremlchef kann nun die Sicherheitsvorkehrungen vor und während der Olympischen Spiele in Sotschi mit Verweis auf die Terrorgefahr noch stärker ausweiten. Westliche Regierungen werden ihm kaum glaubhaft Missbrauch vorwerfen können – insbesondere angesichts des fortgesetzten Anti-Terror-Krieges der USA mit all seinen inakzeptablen Begleiterscheinungen. Die Stichworte lauten NSA und Guantanamo.

Ohnehin plante Putin, Sotschi im Februar in eine Hochsicherheitszone zu verwandeln. Dazu gehört das Abhören und Ausforschen von Telefon- und Internetverbindungen im großen Stil. Putin hat nach dem Anschlag in Wolgograd alle Argumente parat, um seine Big-Brother-Spiele so zu inszenieren, wie es ihm passt. Mit einem fröhlichen Sportlertreffen hat all das nicht mehr das Geringste zu tun.

Der Anschlag hilft Putin noch in anderer Hinsicht. Der Kreml schürt seit Langem gezielt großrussischen Nationalismus und eine schnell wachsende Fremdenfeindlichkeit, die sich vor allem gegen Migranten aus dem Kaukasus und Zentralasien richtet. In frischer Erinnerung ist noch die Hetzjagd auf Ausländer in Moskau im Oktober.

Russland ist trotz (oder wegen?) des Sicherheitsfanatikers Wladimir Putin auch mehr als 20 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion ein instabiler Staat. Das Vielvölkerreich und seine Gesellschaft werden lediglich durch die Macht des Apparates und den Energiereichtum zusammengehalten. Fällt eines dieser Elemente allerdings weg, wird der Koloss auf tönernen Füßen in sich zusammenstürzen – wie schon mehrfach in seiner Geschichte.

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